Ein Freudentag

Otto Ernst

1862

»Jaja, ich hab′ mir ′ne Pfeife gekauft, eine Tabakspfeife von Ton! Ja, Weibchen, ja: der »Ökonomie« und aller Vernunft zum Hohn!

Haha, ich hab′ mir ′ne Pfeife gekauft, eine stattliche Pfeife von Ton, wie sie Mynheer van Holland raucht, der reiche Zuckerbaron!

Ja lache nur, Weib, du hast ganz recht: Ich rauch′ überhaupt keine Pfeif′; doch weil ich so überglücklich war, so mußt′ ich sie kaufen: begreif′!

Daß unser Junge nun wieder gesund, das machte mich wunderfroh. Und bin ich vergnügt, so kauf′ ich was, ganz einerlei, was und wo.

Und bin ich vergnügt, so verschwend′ ich was, leichtsinnig, wie ich nun bin. So bin ich geboren, so sterb′ ich einst, so leb′ ich inzwischen dahin.

Und siehst du: so hab′ ich die Pfeife gekauft; ist sie nicht schön und lang? Und gab, bei Gott! eine Mark dafür, ein Markstück rund und blank.

Die Pfeif′ in der Hand, so schlendert′ ich hin und sang und summte beglückt. Die Spießer glotzten und stießen sich an und grinsten: »Der ist verrückt.«

Und wenn du, mein Liebchen, dasselbe meinst, ich stell′ es dir gänzlich frei. Ich hab′ meine Pfeife von feinstem Ton; da, Junge, schmeiß sie entzwei!

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Illustration zu Ein Freudentag

Interpretation

Das Gedicht "Ein Freudentag" von Otto Ernst handelt von einem Mann, der aus Freude über die Genesung seines Sohnes eine Tabakspfeife kauft, obwohl er selbst nicht raucht. Der Erzähler beschreibt, wie er die Pfeife erwirbt und stolz durch die Straßen schlendert, während andere Menschen ihn für verrückt halten. Das Gedicht vermittelt eine positive und ausgelassene Stimmung, die sich in der Freude des Erzählers über das Wohlergehen seines Kindes widerspiegelt. Der Erzähler erklärt, dass er impulsiv und leichtsinnig ist, wenn er glücklich ist, und dass er schon immer so gelebt hat und auch sterben wird. Er betont, dass er die Pfeife gekauft hat, weil er so überglücklich war, und dass es ihm egal ist, was andere Leute darüber denken. Das Gedicht verdeutlicht die Idee, dass man sich manchmal etwas leisten sollte, wenn man glücklich ist, auch wenn es anderen als unnötig oder verschwenderisch erscheinen mag. Am Ende des Gedichts bietet der Erzähler seiner Frau an, die Pfeife zu zerschlagen, wenn sie das auch so sieht wie die anderen Menschen. Dies könnte als eine Art Zugeständnis oder als ein Versuch interpretiert werden, seine impulsive Handlung zu rechtfertigen oder zu entschuldigen. Das Gedicht endet mit einer offenen Frage, die den Leser dazu einlädt, über die Bedeutung von Glück und Ausgaben nachzudenken.

Schlüsselwörter

pfeife hab gekauft ton ganz pfeif junge vergnügt

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
einfache Tabakspfeife von Ton
Anapher
Ja lache nur, Weib, du hast ganz recht: Ich rauch′ überhaupt keine Pfeif′; doch weil ich so überglücklich war, so mußt′ ich sie kaufen: begreif′!
Hyperbel
Und bin ich vergnügt, so kauf′ ich was, ganz einerlei, was und wo.
Ironie
Ich hab′ meine Pfeife von feinstem Ton; da, Junge, schmeiß sie entzwei!
Kontrast
Und bin ich vergnügt, so verschwend′ ich was, leichtsinnig, wie ich nun bin. So bin ich geboren, so sterb′ ich einst, so leb′ ich inzwischen dahin.
Metapher
Die Pfeif′ in der Hand, so schlendert′ ich hin und sang und summte beglückt.
Personifikation
Die Spießer glotzten und stießen sich an und grinsten: »Der ist verrückt.«