Ein fernes Grab

Friedrich Theodor Vischer

1939

(An C. A. S. †)

In fremder Erde ward es dir zu ruh’n, Im Eiland, das die Volkskraft muß bewachen, Mit dämmebauend nimmer müdem Thun Beschützen vor des Meeres offenem Rachen.

Kein schlechtes Bett! Ein ehrenwerther Grund, Um den so mannhaft stetig wird gerungen, Daß er als Raub in diesen finstern Schlund Vom Wogenschwall nicht wird hinabgeschlungen!

Die Augen drückte Kindeshand dir zu, Wortkarges Volk, arbeitsam, ernst, gediegen, Empfing dich gastlich, senkte dich zur Ruh – Doch weiß ich, wo du lieber möchtest liegen:

Im stillen Dörfchen, fern am Neckarstrand, Dort wo die Berge, die gestreckten, blauen, Durch weiche Luft in’s segensreiche Land Auf sangreich heitres Volk herüberschauen.

Im Dörfchen an der Rebenhügel Saum, Im Obstbaumschatten traulich angelehnt, Wohin du dich im Wachen und im Traum, Vom Loos verbannt, dein Leben lang gesehnt.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Ein fernes Grab

Interpretation

Das Gedicht "Ein fernes Grab" von Friedrich Theodor Vischer ist eine Trauerbetrachtung über den Tod eines geliebten Menschen. Der Autor beschreibt den Ort, an dem der Verstorbene zur Ruhe gebettet wurde, als ein ehrenwerter und würdiger Ort. Die Insel, auf der er begraben wurde, wird als ein Ort beschrieben, der von den Menschen mit großer Anstrengung und Hingabe bewacht und geschützt wird. Im zweiten Teil des Gedichts reflektiert der Autor über den Wunsch des Verstorbenen, an einem anderen Ort begraben zu werden. Er stellt sich vor, dass der Verstorbene lieber in einem ruhigen Dorf am Neckarstrand liegen würde, umgeben von Bergen und Obstbäumen. Dieser Ort symbolisiert für den Verstorbenen ein Stück Heimat und Geborgenheit, das er sich sein Leben lang gewünscht hat. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Trauer und Sehnsucht nach dem Verstorbenen. Der Autor drückt seine Anteilnahme und seinen Respekt für den Verstorbenen aus, indem er den Ort seiner Bestattung als würdig und ehrenhaft beschreibt. Gleichzeitig zeigt er aber auch die menschliche Sehnsucht nach einem friedlichen und vertrauten Ort der Ruhe, der dem Verstorbenen Trost spenden könnte.

Schlüsselwörter

ruh volk dörfchen fremder erde ward eiland volkskraft

Wortwolke

Wortwolke zu Ein fernes Grab

Stilmittel

Hyperbel
Beschützen vor des Meeres offenem Rachen
Metapher
Vom Loos verbannt, dein Leben lang gesehnt
Personifikation
Die Augen drückte Kindeshand dir zu