Ein Christliches Sterblied

Sibylla Schwarz

1638

Wiltu noch nicht Augen kriegen / O du gantz verbößte Welt / Da du doch siehst niederliegen Manchen außgeübten Helt / Da du doch offt siehst begraben / Die es nicht gemeinet haben! Wie lang wiltu Wollust treiben? Wielang / meinstu / hastu Zeit? In der krancken Welt zu bleiben? Wielang liebstu Uppigkeit? Da doch einer nach dem andern Muß auß disem Leben wandern. Ey / was hastu fur Gedancken / Wan da so viel Leichen stehn? Wan da liegen so viel Krancken / Die den Todt für Augen sehn? Wan die Götter dieser Erden Selber auch begraben werden? Wirstu dich nicht eh bedencken / Eh der warme Geist entweicht / So wirstu dich ewig krencken / Darümb / weil der Todt uns schleicht Stündlich nach auff allen Seiten / Soll man sich dazu bereiten. Gib mir Gott ein Sehlig Ende / Führ mich durch des Todes Thal / Nimb mich fest in deine Hende / Kürtze mir des Todtes Qual / Laß mein Hertze nicht verzagen Für des Todes grimmen Plagen! Laß mir nach die schweren Sünde / Gib mir deinen Frewdengeist / Das ich Ruh der Sehlen finde! Darüm bitt ich allermeist / Laß mich auch ja nicht berauben / Sondern mehr mir meinen Glauben! Hier mein Gott / hie schlag und plage! Hier / HERR Jesu / reck undt streck! Hier hier trenne / brenn undt jage! Hier reiß / schmeiß / krenck / senck undt schreck! Laß mich hier die Straffe spüren / Die mir solte dort gebüren!

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Illustration zu Ein Christliches Sterblied

Interpretation

Das Gedicht "Ein Christliches Sterblied" von Sibylla Schwarz thematisiert die Vergänglichkeit des Lebens und die Notwendigkeit, sich auf den Tod vorzubereiten. Die Autorin fordert den Leser auf, die Welt und ihre Vergänglichkeit zu erkennen und sich bewusst zu machen, dass auch die Mächtigen und Reichen sterben müssen. Sie betont die Wichtigkeit, sich auf das Jenseits vorzubereiten und Gott um ein sanftes Ende zu bitten. Die Autorin beschreibt den Tod als einen unausweichlichen Prozess, der jeden treffen wird. Sie bittet Gott um die Stärke, den Tod zu akzeptieren und sich darauf vorzubereiten. Sie bittet auch um die Vergebung ihrer Sünden und um den Trost des Heiligen Geistes, um im Angesicht des Todes nicht zu verzweifeln. Die Autorin zeigt eine tiefe religiöse Überzeugung und den Wunsch, im Glauben zu sterben. Das Gedicht endet mit einem Gebet, in dem die Autorin Gott bittet, sie im Leben zu prüfen und zu leiten, damit sie im Tod nicht die Strafe für ihre Sünden erleiden muss. Sie bittet um die Stärke, die Prüfungen des Lebens zu ertragen und um die Gnade, im Glauben zu bleiben. Die Autorin zeigt eine tiefe Ehrfurcht vor Gott und den Wunsch, in seinem Willen zu leben und zu sterben.

Schlüsselwörter

laß wan undt wiltu augen welt siehst begraben

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Stilmittel

Alliteration
Sterblied
Anapher
Wiltu noch nicht Augen kriegen / Da du doch siehst niederliegen
Apostrophe
O du gantz verbößte Welt
Bildsprache
Da du doch offt siehst begraben / Die es nicht gemeinet haben!
Enjambement
Wiltu noch nicht Augen kriegen / Da du doch siehst niederliegen
Hyperbel
Da du doch siehst niederliegen / Manchen außgeübten Helt
Kontrast
Da du doch siehst niederliegen / Manchen außgeübten Helt
Metapher
O du gantz verbößte Welt
Personifikation
Wielang liebstu Uppigkeit?
Rhetorische Frage
Wiltu noch nicht Augen kriegen / Da du doch siehst niederliegen?