Ein Casus Anatomicus

Gottfried August Bürger

1780

Der Kaufmann Harpax starb; sein Leichnam ward sezieret; Und als man überall dem Übel nachgespüret, So kam man auch aufs Herz, und sieh! er hatte keins: Da, wo sonst dieses schlägt, fand man das Einmaleins.

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Interpretation

Das Gedicht "Ein Casus Anatomicus" von Gottfried August Bürger handelt von dem Kaufmann Harpax, der nach seinem Tod seziert wurde. Bei der Untersuchung seines Körpers stellte man fest, dass er kein Herz hatte. Anstelle des Herzens fand man das Einmaleins, was darauf hindeutet, dass Harpax ein sehr geschäftstüchtiger und rechnerisch begabter Mensch war, der sein ganzes Leben dem Handel und den Zahlen gewidmet hatte. Die Abwesenheit des Herzens symbolisiert, dass Harpax emotional kalt und gefühllos war, da ihm die Fähigkeit zu lieben und Mitgefühl zu empfinden fehlte. Stattdessen war sein gesamtes Denken und Handeln von rationalen, mathematischen Überlegungen geprägt. Das Einmaleins, das anstelle seines Herzens gefunden wurde, steht für seine Besessenheit von Zahlen und Berechnungen, die ihn zu einem erfolgreichen Kaufmann machten, ihm aber auch die menschliche Wärme und Emotionen nahm. Das Gedicht kritisiert die Auswirkungen einer rein materialistischen und rationalen Lebensweise, die den Menschen seiner emotionalen Tiefe und Menschlichkeit beraubt. Harpax' Schicksal dient als warnendes Beispiel dafür, dass ein Leben, das ausschließlich von geschäftlichen Interessen und Berechnungen bestimmt wird, auf Kosten der menschlichen Seele und des Herzens geht.

Schlüsselwörter

kaufmann harpax starb leichnam ward sezieret überall übel

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Stilmittel

Ironie
Der Kaufmann Harpax starb; sein Leichnam ward sezieret
Metapher
Da, wo sonst dieses schlägt, fand man das Einmaleins
Personifikation
Da, wo sonst dieses schlägt