Ein Buß=Lied

Sibylla Schwarz

1638

Im Thon: In deinem grossen Zoren / etc.

Ach daß mein Haupt von Thränen / Mein Geist von Ach und Sehnen / Doch überladen wer! Ach daß ich doch die Sünde / So ich in mir befinde / Beweinen künte mehr! Zu wem sol ich mich wenden / Weil ja an allen Enden Die Missethat erscheint? Zu GOTT komm ich geschritten / Ach laß dich doch erbitten / Du thewrer Menschen Freund! Den Todt hab ich verdienet / Dein Sohn hat mich versöhnet / Gestillet deinen Zorn / Der ist für mich gestorben / Hat mir das Heyl erworben / Sonst wer ich gantz verlohrn. Auff Ihn setz ich mein Hoffen / Drumb lest er mir auch offen Die tieffe Gnadenquell / In seinen rohten Wunden Hab ich mir Ruh gefunden / Trotz Teuffel / Welt und Hell. Du trewer Samariter / Du Gnad= und Trost=Anbieter / Dich bitt ich inniglich: Du wollest mir doch geben Ein gantz gebesserts Leben / So will ich preisen dich. Dein Lob sol bey mir klingen / Ich wil dir Opfer bringen; Bey dir wird nur verlacht Der hohen Wörter Prangen / Du trägst allein Verlangen Nach fewriger Andacht. Drumb laß dir doch belieben Was ich allhier geschrieben / Behüte mich hinfort / Laß mich in Sünd nicht stecken / Sonst würde mich erschrecken Der Hellen weite Pfort! Und wenn nun meine Seele Auß diser finstern Höle Des Leibes weichen sol / So wolst du bey mir stehen / Und nimmer von mir gehen / So ist mir ewig wol.

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Illustration zu Ein Buß=Lied

Interpretation

Das Gedicht "Ein Buß=Lied" von Sibylla Schwarz ist ein tief empfundenes Gebet um Vergebung und Trost. Die lyrische Ich-Figur bekennt ihre Sündhaftigkeit und bittet Gott um Gnade und Erlösung. Die Sprache ist geprägt von einem starken emotionalen Ausdruck, der das Leid und die Reue der Sprecherin zum Ausdruck bringt. In den ersten Strophen des Gedichts beklagt die Sprecherin ihr sündiges Leben und ihre Unfähigkeit, ihre Schuld angemessen zu bereuen. Sie fühlt sich von Tränen und Seufzen überwältigt und sucht verzweifelt nach einem Ausweg aus ihrer misslichen Lage. Die Wiederholung des Wortes "Ach" unterstreicht die Intensität ihrer Gefühle. Die folgenden Strophen wenden sich direkt an Gott und bitten um seine Gnade und Vergebung. Die Sprecherin erkennt an, dass sie den Tod verdient hat, aber durch das Opfer Christi erlöst wurde. Sie setzt ihre Hoffnung auf Jesus Christus und bittet darum, dass seine Gnade ihr offenbart wird. Die letzten Strophen des Gedichts sind ein Versprechen, Gott zu preisen und ihm ein neues Leben zu schenken, wenn er ihr vergibt und sie vor der Sünde bewahrt. Die Sprecherin bittet auch darum, dass Gott bei ihr bleibt, wenn sie stirbt, damit sie in seiner Gegenwart ewiges Heil finden kann.

Schlüsselwörter

sol laß bey hab sonst gantz drumb thon

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Ach daß mein Haupt von Thränen / Mein Geist von Ach und Sehnen / Doch überladen wer!
Apostrophe
Du trewer Samariter / Du Gnad= und Trost=Anbieter / Dich bitt ich inniglich:
Hyperbel
Die tieffe Gnadenquell
Metapher
Der Hellens weite Pfort
Personifikation
Dein Sohn hat mich versöhnet / Gestillet deinen Zorn
Symbolik
Die Sünd
Wortwiederholung
Auff Ihn setz ich mein Hoffen / Drumb lest er mir auch offen