Ein Bild
1813Im Morgenwinde sah ich Blumen wanken Und sah, wie sie den Tau der goldnen Frühe, Daß jede voller dufte, tiefer glühe, Mit heißem Mund begierig in sich tranken.
Gesättigt sah ich bald die meisten schwanken, Als glaubten sie, daß keine nun verblühe, Die Rosen tranken fort mit süßer Mühe, Bis ihre Kelche fast zur Erde sanken.
Die andern wiegten sich in Lustgefühlen, Sie wollten eben lauten Spott erheben, Da schoß die Sonne ihre Flammen-Pfeile.
Die Rosen löschten sie im Tau, dem kühlen, Doch jenen drangen sie in Mark und Leben, Man sah sie hingewelkt nach kurzer Weile.
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Interpretation
Das Gedicht "Ein Bild" von Friedrich Hebbel schildert den Lebenszyklus von Blumen, die im Morgentau baden und von der Sonne versengt werden. Es beginnt mit einem Bild der Erneuerung und des Wachstums, als die Blumen den Tau trinken und dadurch duftender und lebendiger werden. Die Rosen, die beharrlich trinken, werden als Symbol für Ausdauer und Beständigkeit dargestellt. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Stimmung bedrohlicher, als die Sonne ihre "Flammen-Pfeile" abschießt. Die Rosen, die bereits den Tau getrunken haben, sind geschützt und können die Hitze ertragen. Die anderen Blumen, die nicht getrunken haben, werden von der Sonne verbrannt und welken schnell. Dies kann als Metapher für die menschliche Existenz interpretiert werden, bei der Vorbereitung und Ausdauer wichtig sind, um Herausforderungen zu überstehen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft über die Vergänglichkeit des Lebens und die Bedeutung von Vorbereitung und Ausdauer. Es zeigt, wie wichtig es ist, die Chancen zu nutzen, die sich bieten, um für die Zukunft gewappnet zu sein.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Gesättigt sah ich bald die meisten schwanken
- Hyperbel
- Mit heißem Mund begierig in sich tranken
- Metapher
- Doch jenen drangen sie in Mark und Leben
- Personifikation
- Man sah sie hingewelkt nach kurzer Weile
- Vergleich
- Als glaubten sie, daß keine nun verblühe