Ein Becher voll von süßer Huld...
1794Ein Becher voll von süßer Huld Und eine glühnde Ungeduld Und eine arme trunkne Schuld Sie lehren mich zu flehen!
Du Becher voll von süßer Huld Vergib der glühnden Ungeduld Vergib die arme trunkne Schuld, Die ins Gericht will gehen.
Den Becher voll von süßer Huld Darf heut die glühnde Ungeduld Zur Buße armer trunkner Schuld Nicht sehn, und möcht vergehen!
Das freut den Becher süßer Huld Das schmerzt die glühnde Ungeduld Das straft die arme trunkne Schuld Mit bittern, bittern Wehen.
O Becher voll von süßer Huld, Woll′ nicht die glühnde Ungeduld, Ob ihrer armen trunknen Schuld, Die heute büßt, verschmähen.
Fließ über Becher süßer Huld, Werd Asche glühnde Ungeduld, Die mag die arme trunkne Schuld Gemischt mit Tränen säen.
Auf daß du Becher süßer Huld Um dich in Schmerzen der Geduld, Still auf dem Grab der armen Schuld Die Lilie kann erstehen.
Die Lilie, die voll süßer Huld, Du sahst im Garten der Geduld Mit Stern und Engel ohne Schuld Du leuchten hast gesehen.
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Interpretation
Das Gedicht "Ein Becher voll von süßer Huld" von Clemens Brentano handelt von der Suche nach Vergebung und Erlösung. Der Sprecher bittet um Nachsicht für seine glühende Ungeduld und seine arme, trunkene Schuld, die vor Gericht gehen will. Der Becher voller süßer Huld symbolisiert hier die Vergebung und Gnade, die der Sprecher ersehnt. Im weiteren Verlauf des Gedichts wird deutlich, dass der Sprecher seine Schuld bereut und um Vergebung bittet. Er wünscht sich, dass der Becher voller süßer Huld nicht die glühende Ungeduld und die arme, trunkene Schuld verschmäht, die heute Buße tut. Der Sprecher hofft, dass aus seiner Reue und seinen Tränen eine Lilie erwachsen kann, die voller süßer Huld ist und im Garten der Geduld mit Stern und Engel ohne Schuld leuchtet. Das Gedicht endet mit der Hoffnung auf Erlösung und Vergebung. Der Sprecher wünscht sich, dass die Lilie, die aus seiner Reue und seinen Tränen erwachsen ist, im Garten der Geduld leuchten kann. Dies symbolisiert die Möglichkeit der Vergebung und der neuen Unschuld, die der Sprecher durch seine Reue und Buße erlangen möchte.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Die Wiederholung von 'süßer Huld' und 'glühnder Ungeduld'
- Anapher
- Die Wiederholung von 'Ein Becher voll von süßer Huld', 'Du Becher voll von süßer Huld', 'Den Becher voll von süßer Huld', 'Das freut den Becher süßer Huld', 'O Becher voll von süßer Huld', 'Fließ über Becher süßer Huld', 'Auf daß du Becher süßer Huld', 'Die Lilie, die voll süßer Huld'
- Hyperbel
- Die Übertreibung in 'mit bittern, bittern Wehen'
- Kontrast
- Der Kontrast zwischen 'süßer Huld' und 'glühnder Ungeduld', 'armer trunkner Schuld'
- Metapher
- Der 'Becher' steht metaphorisch für Gnade oder Vergebung
- Parallelismus
- Die Wiederholung der Struktur 'Und eine glühnde Ungeduld' und 'Und eine arme trunkne Schuld' im ersten Strophenpaar
- Personifikation
- Der Becher wird als 'süße Huld' bezeichnet und als fühlendes Wesen behandelt
- Reimschema
- Das Gedicht folgt einem strengen Reimschema, was auf die Ordnung und Struktur der Gedanken hinweist
- Symbolik
- Die 'Lilie' symbolisiert Reinheit und Erlösung