Ein alter Tibetteppich
1910Deine Seele, die die meine liebet, ist verwirkt mit ihr im Teppichtibet.
Strahl in Strahl, verliebte Farben, Sterne, die sich himmellang umwarben.
Unsere Füße ruhen auf der Kostbarkeit, Maschentausendabertausendweit.
Süßer Lamasohn auf Moschuspflanzenthron, Wie lange küsst dein Mund den meinen wohl und Wang die Wange buntgeknüpfte Zeiten schon?
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Interpretation
Das Gedicht "Ein alter Tibetteppich" von Else Lasker-Schüler thematisiert die tiefe Verbundenheit zweier Seelen, die sich wie kunstvoll ineinander verwobene Farben und Muster eines Teppichs ineinander verlieren. Die Seele des lyrischen Ichs und die des Geliebten sind untrennbar miteinander verwoben, wie Strahlen und verliebte Farben, die sich gegenseitig umwerben und ergänzen. Diese Verbundenheit wird als kostbar und zeitlos dargestellt, die Füße ruhen auf dieser "Kostbarkeit", die sich über tausendfach tausendfach weit erstreckt. Die Bildsprache des Teppichs dient als Metapher für die Komplexität und Schönheit der Beziehung. Die "Maschentausendabertausendweit" deutet auf die unendliche Tiefe und Detailfülle dieser Verbindung hin, die über Raum und Zeit hinausgeht. Die "buntgeknüpften Zeiten" lassen vermuten, dass diese Liebe bereits durch viele Epochen und Erfahrungen gewoben wurde und weiterhin Bestand hat. Im letzten Vers wird die Intimität und Leidenschaft der Beziehung betont. Der "süße Lamasohn auf Moschuspflanzenthron" symbolisiert den Geliebten, der den Mund und die Wange des lyrischen Ichs küsst. Die Frage "Wie lange küsst dein Mund den meinen wohl" lässt vermuten, dass diese Liebe bereits seit langer Zeit besteht und weiterhin andauert. Die Verwendung des Wortes "schon" unterstreicht die Beständigkeit und das fortwährende Wachstum dieser Beziehung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Strahl in Strahl, verliebte Farben
- Hyperbel
- Maschentausendabertausendweit
- Metapher
- Deine Seele, die die meine liebet, ist verwirkt mit ihr im Teppichtibet.
- Personifikation
- Sterne, die sich himmellang umwarben.
- Vergleich
- Süßer Lamasohn auf Moschuspflanzenthron