Eilt die Sonne...

Bettina von Arnim

1801

Eilt die Sonne nieder zu dem Abend, Löscht das kühle Blau in Purpurgluten, Dämmrungsruhe trinken alle Gipfel.

Jauchzt die Flut hernieder silberschäumend, Wallt gelassen nach verbrauster Jugend, Wiegt der Sterne Bild im Wogenspiegel.

Hängt der Adler, ruhend hoch in Lüften, Unbeweglich wie in tiefem Schlummer; Regt kein Zweig sich, schweigen alle Winde.

Lächelnd mühelos in Götterrhythmen, Wie den Nebel Himmelsglanz durchschreitet, Schreitet Helios schwebend über Fluren.

Feucht vom Zaubertau der heil′gen Lippen Strömt sein Lied den Geist von allen Geistern Strömt die Kraft von allen Kräften nieder

In der Zeiten Schicksalsmelodien, Die harmonisch ineinander spielen Wie in Blumen hell und dunkle Farben.

Und verjüngter Weisheit frische Gipfel, Hebt er aus dem Chaos alter Lügen Aufwärts zu dem Geist der Ideale.

Wiegt dann sanft die Blumen an dem Ufer, Die sein Lied von süßem Schlummer weckte, Wieder durch ein süßes Lied in Schlummer.

Hätt ich nicht gesehen und gestaunet, Hätt ich nicht dem Göttlichen gelauschet, Und ich säh den heil′gen Glanz der Blumen,

Säh des frühen Morgens Lebensfülle, Die Natur wie neugeboren atmet, Wüßt ich doch, es ist kein Traum gewesen.

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Illustration zu Eilt die Sonne...

Interpretation

Das Gedicht "Eilt die Sonne..." von Bettina von Arnim beschreibt die ehrfurchtgebietende Schönheit der Natur und ihre Verbindung zum Göttlichen. Die Sonne wird als Symbol für Leben, Energie und Inspiration dargestellt, die die Landschaft in ein magisches Licht taucht und alle Geschöpfe mit ihrer Kraft erfüllt. Die Dichterin verwendet eindrucksvolle Bilder und Metaphern, um die Harmonie und den Rhythmus der Natur zu vermitteln. Die Sonne wird als "Helios" personifiziert, der wie ein Gott über die Felder schwebt und seine "Zaubertau"-geschwängerten Lieder singt. Diese Lieder haben die Kraft, Geister und Kräfte zu erlösen und den Menschen zu erheben. Im letzten Teil des Gedichts betont die Autorin die transformative Kraft der Natur. Sie beschreibt, wie die Sonne die Blumen weckt und wieder in den Schlaf wiegt, was auf den ewigen Kreislauf von Leben und Tod hindeutet. Die abschließenden Zeilen unterstreichen die tiefgreifende Wirkung der Natur auf den Menschen, der durch das Erleben dieser göttlichen Schönheit selbst verwandelt wird und die Realität mit neuen Augen sieht.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
es ist kein Traum gewesen
Personifikation
Die Natur wie neugeboren atmet
Vergleich
Die harmonisch ineinander spielen Wie in Blumen hell und dunkle Farben