Eifersucht
1890Vorzustellen: Michael Jaroschin - untertänigst - ist mein Name. Wohlgeboren, Hochgeboren auf dem Berge Gaurisankar. Sah von oben stets nach unten, von den Gletschern in die Täler, Von den Wolken auf die Wipfel, von der Sonne auf die Erde.
Und so sah ich eines Tages - vorzustellen: Michael Jaroschin, Sonnengott von Profession - sah ich eines Tages nachts (Jaroschin scheint auch des Nachts), sah ich Durch ein unverhangnes Fenster… die geliebte Frau.
Sah die liebliche, die liebe, sah die Liebste, die Geliebte - In den Armen eines andern - Eines höheren Beamten, eines niederen Charakters.
Da erbleichte selbst die Sonne, vorzustellen: Michael Jaroschin, Hob den goldnen Sonnendolch und stieß ihn strahlend durch das Fenster, Stieß dem Mann ihn in den Nacken, fuhr der Dolch da durch den Nacken Und dem Weibe in die Brust noch: Also lagen auf dem Diwan beide hingestreckt, durchbohrt Von dem Dolch des Sonnengottes, vorzustellen: Michael Jaroschin.
Hütet euch, ihr ungetreuen Weiber, vor dem Sonnengotte! Ihn betrog die Sonnenfrau, und sie mußte darum sterben. Vorzustellen: Michael Jaroschin hält die Wacht im Irrenhause Als ein Rächer seiner Ehre, Rächer jeder Mannes Ehre. In ihm glüht die edle Flamme, heilge Flamme: Eifersucht.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Eifersucht" von Klabund beschreibt die Geschichte von Michael Jaroschin, einem Mann, der seine Eifersucht in einem tragischen Akt auslebt. Jaroschin, der sich selbst als Sonnengott vorstellt, beobachtet seine Geliebte mit einem anderen Mann und reagiert mit extremer Eifersucht. Diese Eifersucht führt dazu, dass er einen Dolch benutzt, um beide zu töten, was die Intensität seiner Emotionen verdeutlicht. In der Interpretation des Gedichts wird deutlich, dass Jaroschin eine verzerrte Selbsteinschätzung hat, da er sich selbst als Sonnengott sieht. Diese Selbstüberschätzung spiegelt sich in seiner Reaktion auf den vermeintlichen Verrat seiner Geliebten wider. Die Verwendung des Sonnengottes als Metapher unterstreicht die Allmacht und den Zorn, den er über die Untreue empfindet. Die Handlung des Gedichts kulminiert in einem Akt der Rache, bei dem Jaroschin beide Liebenden mit einem Dolch durchbohrt. Dieser Akt symbolisiert die zerstörerische Kraft der Eifersucht und zeigt, wie sie zu irrationalen und gewalttätigen Handlungen führen kann. Die Darstellung von Jaroschin als Rächer seiner Ehre betont die gesellschaftlichen Erwartungen an Männlichkeit und Treue. Am Ende des Gedichts wird Jaroschin als Wächter in einer Anstalt dargestellt, was darauf hindeutet, dass seine Handlungen als Wahnsinn angesehen werden. Die "edle Flamme" der Eifersucht wird ironisch als heilig dargestellt, was die Absurdität und Gefährlichkeit dieser Emotion unterstreicht. Insgesamt verdeutlicht das Gedicht die zerstörerischen Auswirkungen von Eifersucht und die Gefahr, die von übertriebenen Vorstellungen von Ehre und Treue ausgehen kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Sonnengott von Profession
- Anapher
- Vorzustellen: Michael Jaroschin
- Hyperbel
- Hütet euch, ihr ungetreuen Weiber, vor dem Sonnengotte!
- Ironie
- vorzustellen: Michael Jaroschin hält die Wacht im Irrenhause
- Metapher
- In ihm glüht die edle Flamme, heilge Flamme: Eifersucht
- Personifikation
- Da erbleichte selbst die Sonne