Eifersucht und Stolz

Wilhelm Müller

1821

Wohin so schnell, so kraus und wild, mein lieber Bach? Eilst du voll Zorn dem frechen Bruder Jäger nach? Kehr um, kehr um, und schilt erst deine Müllerin Für ihren leichten, losen, kleinen Flattersinn. Sahst du sie gestern abend nicht am Tore stehn, Mit langem Halse nach der großen Straße sehn? Wenn vom den Fang der Jäger lustig zieht nach Haus, Da steckt kein sittsam Kind den Kopf zum Fenster ′naus. Geh, Bächlein, hin und sag ihr das; doch sag ihr nicht, Hörst du, kein Wort von meinem traurigen Gesicht. Sag ihr: Er schnitzt bei mir sich eine Pfeif′ aus Rohr Und bläst den Kindern schöne Tänz′ und Lieder vor.

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Illustration zu Eifersucht und Stolz

Interpretation

Das Gedicht "Eifersucht und Stolz" von Wilhelm Müller handelt von einem verletzten Liebhaber, der von seinem unglücklichen Schicksal berichtet. Der Bach wird als Symbol für die schnelle und wilde Eifersucht des Sprechers verwendet, der den Bruder Jäger, der seine Müllerin verführt hat, verfolgen möchte. Der Sprecher bittet den Bach, zu seiner Müllerin zurückzukehren und sie für ihre Untreue zu tadeln. Er erinnert sich daran, wie sie gestern Abend am Tor gestanden und sehnsüchtig auf die Straße geblickt hat, als der Jäger nach Hause kam. Der Sprecher ist verletzt und traurig, aber er bittet den Bach, seiner Müllerin nichts von seinem traurigen Gesicht zu erzählen. Stattdessen soll der Bach ihr sagen, dass der Jäger eine Pfeife aus Rohr schnitzt und den Kindern schöne Tänze und Lieder vorspielt. Der Sprecher zeigt damit seinen Stolz und seine Entschlossenheit, seine Gefühle zu verbergen und nicht zu zeigen, dass er verletzt ist. Das Gedicht "Eifersucht und Stolz" von Wilhelm Müller ist ein typisches Beispiel für die romantische Dichtung. Es verwendet natürliche Elemente wie den Bach und den Jäger, um menschliche Emotionen und Beziehungen zu symbolisieren. Der Sprecher ist ein verletzter Liebhaber, der von seiner Müllerin betrogen wurde und nun mit Eifersucht und Stolz kämpft. Er bittet den Bach, seine Botschaft an seine Müllerin zu überbringen, aber er bittet ihn auch, nichts von seinem traurigen Gesicht zu erzählen. Der Sprecher zeigt damit seinen Stolz und seine Entschlossenheit, seine Gefühle zu verbergen und nicht zu zeigen, dass er verletzt ist. Das Gedicht ist ein Beispiel für die romantische Dichtung, die oft menschliche Emotionen und Beziehungen durch die Verwendung von Naturbildern und Symbolen darstellt.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Kehr um, kehr um, und schilt erst deine Müllerin
Apostrophe
Wohin so schnell, so kraus und wild, mein lieber Bach?
Bedingung
Hörst du, kein Wort von meinem traurigen Gesicht
Beschreibung
Er schnitzt bei mir sich eine Pfeif' aus Rohr
Imperativ
Geh, Bächlein, hin und sag ihr das; doch sag ihr nicht
Kontrast
Da steckt kein sittsam Kind den Kopf zum Fenster 'naus
Metapher
Mit langem Halse nach der großen Straße sehn
Personifikation
Eilst du voll Zorn dem frechen Bruder Jäger nach?