Eiertanz

Friedrich Theodor Vischer

1882

Magst du, statt einfach zu geh’n, zu stehn’n, Einen Eiertanz lieber tanzen, Mußt in die höchste Gesellschaft geh’n, Unter Orden und Litzen, Spitzen und Fransen, Mußt auf glattem Boden dich dreh’n. Da tanze nach Lust Mit gehobener Brust! Nur rutsche nicht aus, zertritt kein Ei, Sonst ist die Herrlichkeit vorbei. -

Nun ja! Dann werde du eben wieder Johann, der muntere Seifensieder.

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Illustration zu Eiertanz

Interpretation

Das Gedicht "Eiertanz" von Friedrich Theodor Vischer thematisiert die Heuchelei und die oberflächlichen Verhaltensweisen in der höheren Gesellschaft. Der Autor verwendet das Bild des "Eiertanzes", um die prekäre und vorsichtige Art zu beschreiben, wie man sich in solchen Kreisen bewegen muss. Die Gesellschaft wird als ein Ort dargestellt, an dem man sich ständig auf Eierschalen bewegt, um nicht "auszurutschen" und "ein Ei zu zertreten", was metaphorisch für einen sozialen Fauxpas steht. Die Struktur des Gedichts mit seinen Reimen und dem rhythmischen Takt unterstreicht die Anmut und Eleganz, die in der Gesellschaft gefordert werden, aber auch die Instabilität und die Gefahr, die in solchen Interaktionen lauert. Die Erwähnung von "Orden und Litzen, Spitzen und Fransen" betont die äußere Pracht und den Status, der in der Gesellschaft so wichtig ist, aber auch die Fragilität dieser Konstruktion. Im letzten Teil des Gedichts bietet der Autor eine Art Ausweg aus diesem komplizierten sozialen Spiel. Er schlägt vor, dass man, wenn man die Komplexität und den Druck der höheren Gesellschaft nicht aushält, einfach wieder "Johann, der muntere Seifensieder" werden kann. Dies deutet darauf hin, dass Authentizität und Einfachheit oft wertvoller sind als die Anpassung an gesellschaftliche Erwartungen. Das Gedicht kritisiert somit die Oberflächlichkeit und die Unnatürlichkeit des gesellschaftlichen Lebens und plädiert für ein ehrlicheres und ungezwungeneres Dasein.

Schlüsselwörter

geh mußt magst statt einfach stehn eiertanz lieber

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
spitzen und Fransen
Anapher
Mußt in die höchste Gesellschaft geh'n, Unter Orden und Litzen, Spitzen und Fransen
Bildsprache
glatter Boden
Hyperbel
gehobene Brust
Kontrast
Johann, der muntere Seifensieder
Metapher
Eiertanz
Personifikation
Magst du, statt einfach zu geh'n, zu stehn'n
Reimschema
AABB