Ehrlicher Protest
1867Protektion im Diplomaten- Dienste!! Nein, wer so was sagt. Man betrachte doch die Taten Der Regierung, vor man klagt!
Freilich sind es nur Barone Oder Grafen, die man nimmt, – Aber das geschieht doch ohne Absicht! Nein! Die Wahl bestimmt
Nur die Qualität des Geistes Und Bewußtsein strenger Pflicht. Das Verzeichnis nun beweist es, Huber – Lehmann hat es nicht.
Doch ein Sohn der Itzenplitze, Wenn ein Rindvieh auch obschon, Er kommt immer an die Spitze, – Aber ohne Protektion.
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Interpretation
Das Gedicht "Ehrlicher Protest" von Ludwig Thoma kritisiert die Praxis der Protektion im diplomatischen Dienst. Der Sprecher protestiert gegen den Vorwurf der Vetternwirtschaft und fordert dazu auf, die Taten der Regierung zu betrachten, bevor man klagt. Er argumentiert, dass die Auswahl der Diplomaten aufgrund ihrer geistigen Qualität und ihres Bewusstseins für Pflichten erfolgt, nicht aufgrund ihrer sozialen Herkunft. Der Sprecher räumt ein, dass es sich bei den ausgewählten Diplomaten meist um Barone oder Grafen handelt, behauptet aber, dass dies ohne Absicht geschieht. Er verweist auf das Verzeichnis, das beweise, dass Huber-Lehmann nicht berücksichtigt wurden, was auf eine meritokratische Auswahl hindeutet. Diese Argumentation wirkt jedoch zynisch und ironisch, da die soziale Herkunft der Diplomaten offensichtlich eine Rolle spielt. Im letzten Vers wird das Gedicht noch deutlicher. Es wird erwähnt, dass ein Sohn der Itzenplitze, der als "Rindvieh" bezeichnet wird, immer an die Spitze kommt, aber ohne Protektion. Diese Aussage ist höchst sarkastisch und verdeutlicht die Absurdität der Situation. Der Sprecher gibt zu, dass auch Personen aus der unteren Gesellschaftsschicht befördert werden, jedoch nur, wenn sie sich dem System anpassen und den Erwartungen entsprechen. Die Kritik an der Protektion bleibt bestehen, wird jedoch durch den sarkastischen Ton des Gedichts noch verstärkt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Man betrachte doch die Taten / Der Regierung, vor man klagt!
- Auslassung
- Doch ein Sohn der Itzenplitze, / Wenn ein Rindvieh auch obschon
- Ironie
- Protektion im Diplomaten-Dienste!! Nein, wer so was sagt.
- Kontrast
- Freilich sind es nur Barone / Oder Grafen, die man nimmt
- Paradox
- Er kommt immer an die Spitze, – / Aber ohne Protektion.
- Rhetorische Frage
- Nein, wer so was sagt.