Een Boot is noch buten!

Arno Holz

1892

“Ahoi! Klaas Nielsen und Peter Jehann! Kiekt nach, ob wi noch nich to Mus sind! Ji hewt doch gesehn dem Klabautermann? Gott Lob, dat wi wedder to Hus sind!” Die Fischer riefen’s und stiessen ans Land und zogen die Kiele bis hoch auf den Strand, denn dumpf an rollten die Fluten; Han Jochen aber rechnete nach und schüttelte finster sein Haupt und sprach: “Een Boot is noch buten!”

Und ernster keuchte die braune Schaar dem Dorf zu über die Dünen, schon grüssten von fern mit zerwehtem Haar die Frau’n an den Gräbern der Hünen. Und “Korl!” hiess es und “Leiw Marie!” “’t is doch man schön, dat ji wedder hie!” Dumpf an rollten die Fluten - “Un Hinrich, min Hinrich? Wo is denn dee?!” Und Jochen wies in die brüllende See: “Een Boot is noch buten!”

Am Ufer dräute der Möwenstein, drauf stand ein verrufnes Gemäuer, dort schleppten sie Werg und Strandholz hinein und gossen Oel in das Feuer. Das leuchtete weit in die Nacht hinaus Und sollte rufen: O komm nach Haus! Dumpf an rollen die Fluten - Hier steht Dein Weib in Nacht und Wind und jammert laut auf und küsst Dein Kind: “Een Boot is noch buten!”

Doch die Nacht verrann und die See ward still und die Sonne schien in die Flammen, da schluchzte die Aermste: “As Gott will!” und bewusstlos brach sie zusammen! Sie trugen sie heim auf schmalem Brett, dort liegt sie nun fiebernd im Krankenbett und draussen plätschern die Fluten; dort spielt ihr Kind, ihr “lütting Jehann”, und lallt wie träumend dann und wann: “Een Boot is noch buten!”

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Illustration zu Een Boot is noch buten!

Interpretation

Das Gedicht "Een Boot is noch buten!" von Arno Holz erzählt die Geschichte von Fischern, die nach einem stürmischen Tag an Land zurückkehren. Während die meisten Fischer sicher an Land sind, bemerkt Han Jochen, dass ein Boot noch draußen auf See ist. Die Fischer rufen "Ahoi!" und ziehen ihre Kiele bis hoch auf den Strand, erleichtert, dass sie wieder zu Hause sind. Doch Jochen bleibt besorgt und wiederholt immer wieder: "Een Boot is noch buten!" (Ein Boot ist noch draußen!). Die zweite Strophe zeigt die Reaktion der Familien der Fischer, die am Strand auf ihre Liebsten warten. Die Frauen, die an den Gräbern der Hünen stehen, begrüßen die zurückgekehrten Fischer mit Erleichterung. Doch als sie erfahren, dass ein Boot noch draußen ist, fragen sie besorgt nach ihren Männern. Jochen weist auf die tosende See und wiederholt: "Een Boot is noch buten!" In der dritten Strophe versuchen die Frauen, das vermisste Boot zurückzurufen. Sie schleppen Werg und Strandholz in ein verrufenes Gemäuer und gießen Öl ins Feuer, um ein weithin sichtbares Licht zu erzeugen. Die Lichter sollen rufen: "O komm nach Haus!" Die Frau des vermissten Fischers steht in der Nacht und im Wind und jammert laut auf, während sie ihr Kind küsst. Sie wiederholt ebenfalls: "Een Boot is noch buten!"

Schlüsselwörter

fluten een boot buten dumpf nacht jehann gott

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Stilmittel

Alliteration
kracht an rollten die Fluten
Anapher
'Een Boot is noch buten!'
Ironie
As Gott will!
Metapher
Die Fischer riefen's und stiessen ans Land
Personifikation
Dumpf an rollten die Fluten
Symbolik
Das leuchtete weit in die Nacht hinaus Und sollte rufen: O komm nach Haus!