Echte Liebe

Joseph von Eichendorff

1857

Lau in der Nacht mag ich nimmer sein, - Kalt oder brennend wie ein lohes Feuer! O, Lust und Leiden sind nur farblos, klein, Wo Liebe nicht ergriffen hat das Steuer!

Wer noch bei Sinnen, ist kein rechter Freier; Wirf von dir ohne Zagen all was dein, Der stirbt vor Liebe nicht, ein halbgetreuer, Wer von der Liebe mehr verlangt als Pein.

Gleichwie ein Schiff, wenn sich die Wetter schwärzen, an jähen Klippen treibt bei finstrer Nacht. Auf weitem Meer der Wind′ und Wogen Spiel,

So auf dem wüsten Meere meiner Schmerzen Such ich, auf neue Leiden nur bedacht, Im Hoffnungslosen meines Glückes Ziel.

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Illustration zu Echte Liebe

Interpretation

Das Gedicht "Echte Liebe" von Joseph von Eichendorff beschreibt die leidenschaftliche und alles verzehrende Natur der wahren Liebe. Der Sprecher betont, dass er die Nacht nicht mehr ertragen kann, da er entweder kalt oder brennend wie ein Feuer ist. Ohne Liebe sind Lust und Leiden bedeutungslos und farblos. Die Liebe wird als Steuermann dargestellt, der das Leben lenkt und ihm Sinn gibt. Der zweite Teil des Gedichts fordert den Leser auf, sich vollkommen der Liebe hinzugeben. Wer bei klarem Verstand bleibt, ist kein wahrer Liebhaber. Der Sprecher ermutigt dazu, alles aufzugeben und sich der Liebe bedingungslos zu ergeben. Nur wer bereit ist, für die Liebe zu sterben und Schmerz zu ertragen, ist ein echter Liebhaber. Im letzten Teil des Gedichts wird die Liebe mit einem Schiff verglichen, das in einem Sturm auf gefährlichen Klippen treibt. Der Sprecher befindet sich auf einem "wüsten Meere" seiner Schmerzen und sucht nach seinem Glück, obwohl er die Hoffnungslosigkeit seiner Lage erkennt. Das Gedicht vermittelt die Idee, dass wahre Liebe mit Leid und Schmerz verbunden ist, aber dennoch das höchste Ziel und der Sinn des Lebens darstellt.

Schlüsselwörter

liebe nacht leiden lau mag nimmer kalt brennend

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Stilmittel

Alliteration
Lau in der Nacht mag ich nimmer sein
Kontrast
Kalt oder brennend wie ein lohes Feuer
Metapher
Gleichwie ein Schiff, wenn sich die Wetter schwärzen, an jähen Klippen treibt bei finstrer Nacht
Personifikation
Wo Liebe nicht ergriffen hat das Steuer
Vergleich
So auf dem wüsten Meere meiner Schmerzen