Echo oder Wiederschall.
1624Diß Ort mit Bäumen gantz vmbgeben / Da nichts als Furcht vnd Schatten schweben / Da Trawrigkeit sich hin verfügt / Da alles wüst′ vnd öde liegt / Da auch die Sonne nicht hinweichet / Da gifftig Vngezieffer schleichet / Da gar kein Wasser sich ergeust / Als das auß meinen Augen fleust / Da gar kein Liecht nicht wird erkennet / Als daß auß meinem Hertzen brennet / Bedüncket mich bequeme seyn / Da ich mich klag′ ab meiner Pein / Ab meiner Pein vnd tieffstem Leiden / Daß mich jetzund wird von mir scheiden; Doch ehe der gewüntschte Tod Mit Frewden abhilfft meiner Noth / Will ich von meiner Liebe klagen / Vnd / ob schon gantz vergeblich / fragen / Ist dann niemand der tröste mich / Weil ich so trawer′ jnniglich? Ich. O Echo / wirst nur du alleine Hinfort mich trösten / vnd sonst keine? eine. Wie soll sie leschen meinen Brandt / Ist sie mir doch noch vnbekandt? bekandt. Sie wil es aber nicht verstehen / Lest mich in Angst ohn Ablaß gehen. laß gehen. Verleuret sich denn ja mein Leidt / Wem soll ichs dancken mit der Zeit? der Zeit. So ist nun Noth daß ich verscharre Das Fewer / vnd der Stund′ erharre? harre. Wenn ich zu lange harren solt′ Hülff etwas meiner Vngedult? Gedult. Vielleichte möcht′ ich sterben ehe / Weil ich im höchsten Elend gehe? entgehe. So folg′ ich deinem Rathe schlecht / Hoff′ alles werde gut vnd recht. recht. Nun bin ich vieler Noth entbunden / Vnd habe guten Trost empfunden. Du vnbewohnte Trawrigkeit / Jhr Hecken voll von meinem Leid′ / Jhr schwartzen Hölen vnd jhr Wüsten / Da Eulen / Natern / Schlangen nisten / Du ödes Ort / gehabt euch wol; Ich bin für Trawren Frewde voll / Für Finsternüß such′ ich die Sonnen / Für Threnen einen kühlen Bronnen: Die so Vertröstung mir gethan / Ist so daß sie nicht lügen kan.
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Interpretation
Das Gedicht "Echo oder Wiederschall" von Martin Opitz handelt von einem unglücklich Liebenden, der in einer düsteren, öden Landschaft Zuflucht sucht. Der Sprecher befindet sich in tiefer Trauer und findet in dieser einsamen Umgebung einen Ort, an dem er seine Schmerzen ausdrücken kann. Die Natur wird als Spiegel seiner inneren Verfassung dargestellt, mit Elementen wie giftigen Tieren und Dunkelheit, die seine Verzweiflung verstärken. Der Sprecher hofft auf Trost und fragt das Echo, ob es der einzige sei, der ihn versteht und tröstet. Das Echo antwortet mit kurzen, bestätigenden Worten, die den Sprecher zwar nicht wirklich trösten, aber seine Gedanken und Gefühle widerspiegeln. Die Wiederholung der Worte durch das Echo verstärkt das Gefühl der Isolation und der unerfüllten Liebe. Im letzten Teil des Gedichts findet der Sprecher eine Art Trost in der Erkenntnis, dass seine Trauer und seine Liebe echt sind. Er verlässt die öde Landschaft mit einem Gefühl der Erleichterung und Hoffnung, da er weiß, dass seine Emotionen wahr und unverfälscht sind. Die Natur, die zuvor als Ort der Verzweiflung diente, wird nun als Ort der Reinheit und Ehrlichkeit gesehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Threnen einen
- Anapher
- Jhr ... Jhr ... Jhr ...
- Metapher
- Für Threnen einen kühlen Bronnen
- Parallelismus
- Die so Vertröstung mir gethan / Ist so daß sie nicht lügen kan
- Personifikation
- Da Trawrigkeit sich hin verfügt
- Reim
- gethan / kan