Wir möchten gern dem Kritikus gefallen:
Nur nicht dem Kritikus vor allen.
Warum? Dem Kritikus vor allen
Wird auch kein Sinngedicht gefallen.
Ebendieselben
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Ebendieselben“ von Gotthold Ephraim Lessing ist eine pointierte und humorvolle Satire auf die Eitelkeit und das Urteilsvermögen von Kritikern. Es beginnt mit der scheinbar paradoxen Aussage, dass der Dichter es allen recht machen möchte, insbesondere einem Kritiker. Doch die Pointe folgt unmittelbar darauf: „Nur nicht dem Kritikus vor allen.“ Der erste Vers etabliert den Wunsch nach Zustimmung, der zweite setzt diesen Wunsch in Frage und leitet die darauffolgende Auflösung ein.
Die Frage nach dem „Warum?“ verdeutlicht die logische Abfolge der Argumentation, während sie gleichzeitig eine subtile Kritik an der Voreingenommenheit der Kritiker andeutet. Die Antwort „Dem Kritikus vor allen / Wird auch kein Sinngedicht gefallen“ ist sowohl selbstironisch als auch entlarvend. Sie impliziert, dass ein Kritiker, im Grunde genommen, aufgrund seiner kritischen Natur und möglicherweise seiner eigenen Unfähigkeit, selbst etwas Schönes zu schaffen, grundsätzlich unfähig ist, ein Gedicht, ein „Sinngedicht“, zu goutieren.
Lessings Sprache ist präzise und klar, mit einem leicht ironischen Unterton, der durch die Wiederholung des Wortes „Kritikus“ verstärkt wird. Der Reim „gefallen – allen“ und „allen – gefallen“ verstärkt die rhythmische Wirkung und unterstreicht die Zirkelschluss-Logik, die Lessing hier aufzeigt. Die Kürze des Gedichts macht es zu einem geschliffenen Meisterwerk, das in wenigen Versen die Eitelkeit und die oft subjektive Natur des kritischen Urteils gekonnt bloßstellt.
Die eigentliche Leistung des Gedichts liegt in seiner Doppeldeutigkeit. Es ist eine Satire auf Kritiker, gleichzeitig aber auch eine Selbstreflexion des Dichters. Es zeigt, dass der Versuch, es allen recht zu machen, insbesondere Kritikern, zum Scheitern verurteilt ist, da diese oft durch ihre eigene Voreingenommenheit oder Unfähigkeit eingeschränkt sind. Lessing demonstriert damit die Erkenntnis, dass wahre Kunst ihren eigenen Wert hat und sich nicht von der Meinung Einzelner abhängig machen sollte. Das Gedicht ist somit nicht nur eine Kritik an den Kritikern, sondern auch eine Ermutigung an die Kunstschaffenden, ihre eigenen Wege zu gehen.
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Lizenz und Verwendung
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