Dunkel wars, der Mond schien helle
1911(sp. 19. Jh.)
Dunkel wars, der Mond schien helle, schneebedeckt die grüne Flur, als ein Wagen blitzeschnelle langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute, schweigend ins Gespräch vertieft, als ein totgeschoss’ner Hase auf der Sandbank Schlittschuh lief.
Und ein blondgelockter Jüngling mit kohlrabenschwarzem Haar saß auf einer blauen Kiste, die rot angestrichen war.
Neben ihm ’ne alte Schachtel, die kaum zählte sechzehn Jahr. Und sie aß ein Butterbrot, das mit Schmalz bestrichen war.
Droben auf dem Apfelbaume, der sehr süße Birnen trug, hing des Frühlings letzte Pflaume und an Nüssen noch genug.
Und der Wagen fuhr im Trabe rückwärts einen Berg hinauf. Droben zog ein alter Rabe grade eine Turmuhr auf.
Ringsumher herrscht tiefes Schweigen und mit fürchterlichem Krach spielen in des Grases Zweigen zwei Kamele lautlos Schach.
Von der regennassen Straße wirbelte der Staub empor. und ein Junge bei der Hitze mächtig an den Ohren fror.
Beide Hände in den Taschen hielt er sich die Augen zu. denn er konnte nicht ertragen, wie nach Veilchen roch die Kuh.
Und zwei Fische liefen munter durch das blaue Kornfeld hin. Endlich ging die Sonne unter und der graue Tag erschien.
Und das alles dichtet Goethe als er in der Morgenröte liegend auf dem Nachttopf saß und dabei die Zeitung las.
Viele verschiedene Versionen, nicht von Klabund, nicht von Morgenstern… s. hier: faql.de/dunkel-wars.html
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Interpretation
Das Gedicht "Dunkel wars, der Mond schien helle" von Unbekannt ist ein Nonsensgedicht, das mit absurden und widersprüchlichen Bildern spielt. Es erzählt eine surreale Geschichte voller unmöglicher Situationen und Beschreibungen, die die Logik und die Gesetze der Natur auf den Kopf stellen. Die erste Strophe setzt den Ton für das gesamte Gedicht, indem sie eine paradoxe Szene beschreibt: Es ist dunkel, aber der Mond scheint hell, und eine schneebedeckte grüne Flur wird von einem blitzschnellen Wagen passiert, der langsam um die Ecke fährt. Diese absurden Beschreibungen ziehen sich durch das gesamte Gedicht und schaffen eine traumartige Atmosphäre. Die weiteren Strophen führen eine Reihe von skurrilen Charakteren und Situationen ein, wie zum Beispiel einen toten Hasen, der Schlittschuh läuft, einen Jüngling mit blonden Locken und schwarzem Haar, der auf einer blauen Kiste sitzt, oder zwei Kamele, die lautlos Schach spielen. Diese surrealen Bilder fordern die Vorstellungskraft des Lesers heraus und erzeugen eine humorvolle und absurde Stimmung. Das Gedicht endet mit einer ironischen Anspielung auf den berühmten deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe, der angeblich das gesamte Gedicht auf dem Nachttopf erfunden haben soll, während er die Zeitung las. Diese humorvolle Anspielung unterstreicht den Nonsens-Charakter des Gedichts und macht sich über die Idee des romantischen Dichters lustig, der in tiefer Inspiration versunken ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anachronismus
- liegend auf dem Nachttopf saß
- Hyperbel
- mächtig an den Ohren fror
- Ironie
- Und das alles dichtet Goethe
- Kontrast
- mit kohlrabenschwarzem Haar
- Metapher
- des Frühlings letzte Pflaume
- Oxymoron
- Drinnen saßen stehend Leute
- Paradox
- als ein totgeschoss'ner Hase auf der Sandbank Schlittschuh lief
- Personifikation
- zwei Kamele lautlos Schach
- Reim
- Dunkel wars, der Mond schien helle
- Widerspruch
- die kaum zählte sechzehn Jahr