Düstere Ahnung
1859Mißtrau’ nicht meinen Eiden, Mißtraue meinem Glück; Noch ist es Zeit, zu fliehen, Noch kannst Du ruhig ziehen, Nimm Deinen Ring zurück! Mir träumt von nahen Leiden, Drum besser ist’s, mich meiden!
Sieh’ an der Stirn ein Zeichen, Daran werd’ ich erkannt; Es deutet Kampf und Kriege, Das hat an meiner Wiege Ein Dämon eingebrannt! Der kam aus dunkeln Reichen, Ich werd’ ihm nicht entweichen! – –
Einst, als die Schlacht entglommen, Sah ich in Kampfesnoth Einen Soldaten trinken, Und als er trank, ihn sinken Hin auf den Rasen, todt: Er hatt’s nicht wahrgenommen, Wie er den Schuß bekommen! –
Nun, weil ein Lächeln schweben Du siehst um meinen Mund, Und weil ich kräftig stehe, Und hellen Blickes gehe, Meinst Du mich kerngesund? Ich aber fühl’ ein Beben In meinem tiefsten Leben! –
Drum warn’ ich Dich, mein Leben! Such’ Dir ein bess’res Loos; Mir macht mein Unstern bange, Mir währt kein Segen lange, Kein Glück zog ich noch groß; Wenn ich’s erreicht, dann eben Seh’ ich’s von dannen schweben! –
Willst Du es dennoch wagen – Nimm Hand- und Herzensschlag! Laß denn vereint uns wandeln, Und laß das Schicksal handeln Und thun, was es vermag. Was kommt in künft’gen Tagen, Wohlan, wir wollen’s tragen! –
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Interpretation
Das Gedicht "Düstere Ahnung" von Joseph Christian von Zedlitz handelt von einem Mann, der eine düstere Vorahnung von seinem eigenen Schicksal hat. Er warnt seine Geliebte vor ihm und rät ihr, sich von ihm fernzuhalten, da er von Leiden und Tod umgeben ist. Er fühlt sich von einem Dämon verflucht, der ihm an der Wiege ein Zeichen auf die Stirn gebrannt hat, das auf Kampf und Krieg hindeutet. Er erzählt von einem Soldaten, den er in der Schlacht sterben sah, ohne es zu bemerken. Er selbst wirkt zwar gesund und fröhlich, aber er spürt ein Beben in seinem tiefsten Leben. Er glaubt, dass ihm kein Segen lange währt und kein Glück groß wird. Er bietet seiner Geliebten an, sie trotzdem zu heiraten, wenn sie es wagen will. Er sagt, dass sie gemeinsam das Schicksal tragen werden, egal was kommt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Soll ich mich meiden
- Anapher
- Was kommt in künft'gen Tagen, Wohlan, wir wollen's tragen
- Apostrophe
- Drum warn' ich Dich, mein Leben
- Bildsprache
- Einst, als die Schlacht entglommen
- Enjambement
- Ich aber fühl' ein Beben In meinem tiefsten Leben
- Hyperbel
- Mir währt kein Segen lange, Kein Glück zog ich noch groß
- Kontrast
- Und weil ich kräftig stehe, Und hellen Blickes gehe, Meinst Du mich kerngesund?
- Metapher
- Laß denn vereint uns wandeln
- Personifikation
- Ein Dämon eingebrannt
- Symbolik
- Der kam aus dunkeln Reichen
- Wiederholung
- Drum warn' ich Dich, mein Leben! Such' Dir ein bess'res Loos