Du und ich

Max Dauthendey

1918

Du und ich! Wunschlose Seligkeit Strömt deine Nähe über mich. Der Alltag wird zur Sonntagszeit, Unsterblich schlingt das Leben sich Um uns. Und Menschengöttlichkeit Fühl′ ich bei dir durch dich.

Was einst gewesen, weiß ich kaum. Die enge Welt wird weiter Raum. Und Holz wird Eisen, Eisen Holz Und Stolz wird Demut, Demut Stolz. Gar wunderbare Weisen Singt dann bei seinen Kreisen Mein Blut im Paradies für mich. Es haben alle Wünsche Ruh′, - Ich weiß nicht mehr, wer bist dann du. Ich weiß nicht mehr, wer bin dann ich.

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Illustration zu Du und ich

Interpretation

Das Gedicht "Du und ich" von Max Dauthendey beschreibt die überwältigende und transzendente Erfahrung der Liebe zwischen zwei Menschen. Die Nähe des geliebten Menschen versetzt den Sprecher in einen Zustand "wunschloser Seligkeit", in dem der Alltag zur "Sonntagszeit" wird und das Leben sich "unsterblich" um sie schlingt. Der Sprecher fühlt eine Art "Menschengöttlichkeit" in der Gegenwart des Anderen. Der zweite Teil des Gedichts schildert, wie die Liebe die Wahrnehmung und das Bewusstsein des Sprechers verändert. Die enge Welt wird zu einem "weiten Raum" und es kommt zu einer Umkehrung und Aufhebung von Gegensätzen wie Holz/Eisen und Stolz/Demut. Das Blut des Sprechers singt "wunderbare Weisen" im Paradies, was auf eine ekstatische und transzendente Erfahrung hindeutet. In diesem Zustand verlieren sich die Identitäten des "Ich" und des "Du" in einer Einheit.

Schlüsselwörter

weiß holz eisen stolz demut mehr wunschlose seligkeit

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
[Wunschlose Seligkeit Strömt deine Nähe über mich]
Enjambement
[Du und ich! Wunschlose Seligkeit Und Holz wird Eisen, Eisen Holz Und Stolz wird Demut, Demut Stolz Ich weiß nicht mehr, wer bist dann du. Ich weiß nicht mehr, wer bin dann ich.]
Hyperbel
[Wunschlose Seligkeit Unsterblich schlingt das Leben sich Um uns]
Metapher
[Wunschlose Seligkeit Strömt deine Nähe über mich Unsterblich schlingt das Leben sich Um uns Menschgottheit]
Parallelismus
[Holz wird Eisen, Eisen Holz Stolz wird Demut, Demut Stolz]
Personifikation
[Der Alltag wird zur Sonntagszeit]
Symbolik
[Holz wird Eisen, Eisen Holz Stolz wird Demut, Demut Stolz]