Du Paradies
1921O′ Paradies, daß ich dich liegen wüßte An jenem Berge, jener Küste – Wo die Aufgang-Sonne bluterglüht, Wo das Nachtgewölbe Sterne sprüht – O′ daß ich′s wüßte –
Ich wollte, wie ich bin, aus meinem Alltag, Nach meinen siebzig Jahren, am Verfalltag, Gebeugt von schwerem Leben, Arbeit, Sünde, Noch pilgern in die fernen Morgengründe – Zu dir, o Paradies – –
Will wandern, wenn die Stadt im Abend dunkelt – Ein Stern mag sein, der vor dem Wege funkelt – – Ich warte unter Lichtgewimmel, Daß der neue Morgenhimmel Bald erblüht –
Und dann! – Sieh da liegt im Gottesmorgen Das gelobte Land! Friedestill, verborgen Hinter Bäumen, schimmert die Goldblumenwiese – Und – da steh ich schon in Sonne vor dem Paradiese An der Pforte –
Da tut sich urschön auf der Herrgottsgarten, Und meine siebzig Jahre warten, Daß aus dem Blumengrund ein selig Leuchten käme, Die Pforte öffne und an die Hand mich nähme Wie einst als Kind.
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Interpretation
Das Gedicht "Du Paradies" von Gerrit Engelke ist eine sehnsuchtsvolle Hymne auf das verheißene Paradies. Der Sprecher sehnt sich danach, dieses Paradies zu finden und sich dorthin aufzumachen, um dort Ruhe und Erlösung zu finden. Die Sehnsucht nach dem Paradies wird durch die Bildsprache der aufgehenden Sonne, der Sterne und der Blumenwiese verstärkt. Der Sprecher imaginiert sich selbst als Pilger, der nach einem langen und beschwerlichen Leben endlich das Paradies erreicht. Die Vorstellung von Pilgern und Pilgerfahrten ist ein häufiges Motiv in der Literatur und steht oft für eine spirituelle Reise oder eine Suche nach Erleuchtung. Der Sprecher scheint bereit zu sein, diese Reise anzutreten, auch wenn er gebeugt und müde ist. Das Gedicht endet mit einer Vision des Paradieses, das sich dem Sprecher als ein wunderschöner Garten offenbart. Die Bilder von Blumen, Sonne und Pforte erwecken die Vorstellung eines idyllischen und friedlichen Ortes. Der Sprecher fühlt sich willkommen und geborgen, wie ein Kind, das von einer liebevollen Hand geführt wird. Dieses Bild unterstreicht die Idee von Erlösung und Wiederherstellung, die das Paradies für den Sprecher darstellt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- O' Paradies, daß ich dich liegen wüßte
- Hyperbel
- Nach meinen siebzig Jahren, am Verfalltag
- Metapher
- Die Pforte öffne und an die Hand mich nähme Wie einst als Kind
- Personifikation
- Wo das Nachtgewölbe Sterne sprüht