Du meine Seele, singe

Paul Gerhardt

1653

Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön dem, welchen alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil! Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil, das hächste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt; sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt.

Hier sind die starken Kräfte,

die unerschöpfte Macht; das weisen die Geschäfte, die seine Hand gemacht: der Himmel und die Erde mit ihrem ganzen Heer, der Fisch unzählge Herde im großen wilden Meer.

Hier sind die treuen Sinnen, die niemand unrecht tun, all denen Gutes gönnen, die in der Treu beruhn. Gott hält sein Wort mit Freuden, und was er spricht, geschicht, und wer Gewalt muß leiden, den schützt er im Gericht.

Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod, ernährt und gibet Speisen zur Zeit der Hungersnot, macht schöne rote Wangen oft bei geringem Mahl, und die da sind gefangen, die reißt er aus der Qual.

Er ist das Licht der Blinden, erleuchtet ihr Gesicht, und die sich schwach befinden, die stellt er aufgericht. Er liebet alle Frommen, und die ihm günstig seind, die finden, wenn sie kommen, an ihm den besten Freund.

Ach ich bin viel zu wenig, zu rühmen seinen Ruhm; der Herr allein ist König, ich eine welke Blum. Jedoch weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt, ists billig, daß ich mehre sein Lob vor aller Welt.

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Illustration zu Du meine Seele, singe

Interpretation

Das Gedicht "Du meine Seele, singe" von Paul Gerhardt ist ein geistliches Lied, das die tiefe Verbundenheit des Dichters mit Gott zum Ausdruck bringt. Es beginnt mit einem Aufruf an die Seele, Gott zu preisen und zu loben, solange man lebt. Der Dichter betont die Wichtigkeit, sich allein auf Gott zu verlassen und seine Macht und Güte zu erkennen. Er beschreibt Gott als den Schöpfer von Himmel und Erde und als den, der die Schwachen stärkt und die Gefangenen befreit. Das Gedicht thematisiert die Treue Gottes und seine Fähigkeit, in verschiedenen Situationen zu helfen und zu retten. Es wird betont, dass Gott diejenigen schützt, die unter Ungerechtigkeit leiden, und dass er in der Lage ist, aus scheinbar aussichtslosen Situationen zu befreien. Der Dichter beschreibt Gott als das Licht für die Blinden und als den, der die Schwachen aufrichtet. Abschließend drückt der Dichter seine Demut aus, indem er sich selbst als "welke Blum" im Vergleich zu Gottes Größe darstellt. Trotzdem fühlt er sich verpflichtet, Gottes Lob vor aller Welt zu mehren, da er zu Zion, Gottes auserwähltem Volk, gehört. Das Gedicht endet mit einem Bekenntnis zur Pflicht, Gottes Ruhm zu preisen und zu verbreiten.

Schlüsselwörter

singe alle will gott macht weisen viel seele

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Stilmittel

Anapher
Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön
Hyperbel
Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod
Kontrast
der Herr allein ist König, ich eine welke Blum
Metapher
Ich eine welke Blum
Parallelismus
der Himmel und die Erde mit ihrem ganzen Heer, der Fisch unzählge Herde im großen wilden Meer
Personifikation
dem, welchen alle Dinge zu Dienst und Willen stehn