Du im Voraus verlorne Geliebte
1922Du im Voraus verlorne Geliebte, Nimmergekommene, nicht weiß ich, welche Töne dir lieb sind. Nicht mehr versuch ich, dich, wenn das Kommende wogt, zu erkennen. Alle die großen Bilder in mir, im fernen erfahrene Landschaft, Städte und Türme und Brücken und un- vermutete Wendung der Wege und das gewaltige jener von Göttern einst durchwachsenen Länder: steigt zur Bedeutung in mir deiner, Entgehende, an.
Ach, die Gärten bist du, ach, ich sah sie mit solcher Hoffnung. Ein offenes Fenster im Landhaus -, und du tratest beinahe mir nachdenklich heran. Gassen fand ich, - du warst sie gerade gegangen, und die Spiegel manchmal der Läden der Händler waren noch schwindlich von dir und gaben erschrocken mein zu plötzliches Bild. - Wer weiß, ob derselbe Vogel nicht hinklang durch uns gestern, einzeln, im Abend?
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Interpretation
Das Gedicht "Du im Voraus verlorne Geliebte" von Rainer Maria Rilke handelt von der Sehnsucht nach einer unerreichbaren Geliebten. Der Sprecher beschreibt, wie er versucht, sich ein Bild von ihr zu machen, aber scheitert. Er vergleicht sie mit Landschaften, Städten und Brücken, die er im Fernen erlebt hat. Diese Bilder steigen in seiner Vorstellung zu ihrer Bedeutung auf, obwohl sie ihm fern bleibt. Der Sprecher beschreibt auch, wie er Gärten sieht, die ihm Hoffnung geben, aber er weiß, dass sie nicht für ihn bestimmt sind. Er stellt sich vor, wie sie durch ein offenes Fenster in ein Landhaus tritt und wie er ihr beinahe begegnet wäre. Er beschreibt auch, wie er Straßen findet, die sie gerade gegangen ist, und wie die Spiegel in den Geschäften noch von ihr erschüttert sind. Das Gedicht endet mit der Frage, ob derselbe Vogel durch sie und den Sprecher hindurchgeschwungen ist, was die Idee der Verbundenheit zwischen ihnen verstärkt, obwohl sie sich nie begegnet sind. Insgesamt drückt das Gedicht die tiefe Sehnsucht und das Verlangen nach einer unerreichbaren Geliebten aus, die den Sprecher in seiner Vorstellung und in seinen Träumen begleitet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Ach, die Gärten bist du, ach, ich sah sie mit solcher
- Bildsprache
- Alle die großen Bilder in mir, im fernen erfahrene Landschaft, Städte und Türme und Brücken und un- vermutete Wendung der Wege
- Enjambement
- Du im Voraus verlorne Geliebte, Nimmergekommene
- Metapher
- Ach, die Gärten bist du
- Personifikation
- und die Spiegel manchmal der Läden der Händler waren noch schwindlich von dir und gaben erschrocken mein zu plötzliches Bild
- Rhetorische Frage
- Wer weiß, ob derselbe Vogel nicht hinklang durch uns gestern, einzeln, im Abend?