Du hast mich fortgeschickt...

Erich Kurt Mühsam

unknown

Du hast mich fortgeschickt, und ich geh heim. Die Gaslaternen blinzeln frech und schielen. Im Rinnstein drängt sich dicker Straßenschleim. Zufrieden tropfend gluckst es in den Sielen.

In einem Seitenweg verhallt ein Schritt, leicht und beschwingt, als käm er vom Genießen. Studenten torkeln mir vorbei zu dritt, die Zeitungsblätter auf die Stöcke spießen.

Ich tu mir leid. Mein Schmerz stimmt mich vergnügt, heißt mich auf alle Ärgernisse achten, ob gegen dich sich draus ein Vorwurf fügt und die, die im Kaffeehaus mit dir lachten.

Wart! Morgen sprechen wir uns schon dafür. Mein Ingrimm wird sich zu entladen wissen. - Da bin ich - öffne zögernd deine Tür - und küsse weinend deine leeren Kissen.

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Illustration zu Du hast mich fortgeschickt...

Interpretation

Das Gedicht "Du hast mich fortgeschickt..." von Erich Kurt Mühsam beschreibt die emotionale Reise eines Menschen, der von seiner Geliebten weggeschickt wurde. Der Sprecher geht nach Hause, durch die nächtliche Stadt, wo er die düstere Atmosphäre mit Gaslaternen, Straßenschmutz und tröpfelndem Wasser wahrnimmt. Die Umgebung spiegelt seine innere Verstimmung wider, während er Studenten beobachtet, die sorglos und fröhlich durch die Nacht ziehen. Der zweite Teil des Gedichts offenbart die komplexen Gefühle des Sprechers. Er fühlt sich selbst leid, doch sein Schmerz verleiht ihm eine seltsame Genugtuung. Er freut sich darauf, sich am nächsten Tag bei seiner Geliebten zu rechtfertigen und Rache zu üben, indem er ihr Vorwürfe macht und sich an denen rächt, die mit ihr gelacht haben. Im letzten Vers kehrt der Sprecher jedoch zu seiner Geliebten zurück, öffnet zögernd ihre Tür und küsst weinend ihre leeren Kissen. Diese Wendung zeigt die Ambivalenz seiner Gefühle – trotz seines Plans, sich zu rächen, überwiegt am Ende die Sehnsucht und Liebe zu seiner Partnerin. Das Gedicht vermittelt somit die Komplexität menschlicher Emotionen in einer Beziehung, die von Konflikt und Zärtlichkeit geprägt ist.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Zufrieden tropfend gluckst es in den Sielen.
Bildsprache
Im Rinnstein drängt sich dicker Straßenschleim.
Ironie
Mein Schmerz stimmt mich vergnügt.
Kontrast
Und küsse weinend deine leeren Kissen.
Metapher
Die Gaslaternen blinzeln frech und schielen.
Personifikation
Die Gaslaternen blinzeln frech und schielen.
Vergleich
Leicht und beschwingt, als käm er vom Genießen.
Vorahnung
Wart! Morgen sprechen wir uns schon dafür.