Du gingst mit mir ...
unknownDu gingst mit mir. Der niedre Himmel drohte und kroch geduckt von allen Seiten näher. Am Wege lag ein Felsenhund, ein Späher mit plattem Bauch und vorgeschobener Pfote. Entglänzte Sterne stierten feucht und faul und husteten aus alterssiecher Lunge. Krankleuchtend aus zerfetztem Wolkenmaul hing gelb der Mond, des Himmels geile Zunge… Du gingst mit mir. Fern gurgelte das Meer. Dem Saum der Welt entglitten Feuerzeichen. Wir fühlten feucht die Nachtluft uns umschleichen und stapften vor der Angst des Lebens her, auf unsern letzten Daseinsmut bedacht, daß er das bleiche Graun des Spuks besiegte. - Doch vor uns düsterte ein Baum zur Nacht, der sehr bedenklich seine Wipfel wiegte.
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Interpretation
Das Gedicht "Du gingst mit mir" von Erich Kurt Mühsam ist eine düstere und bedrohliche Darstellung einer nächtlichen Wanderung. Die Atmosphäre ist von einer allgegenwärtigen Angst und Bedrohung geprägt. Der Himmel wird als "niedre" und "geduckt" beschrieben, der sich von allen Seiten nähert, was ein Gefühl der Enge und Bedrängnis erzeugt. Die Natur wird als krank und sterbend dargestellt, mit "entglänzten Sternen" und einem "krankleuchtenden" Mond, der aus dem "zerfetztem Wolkenmaul" hängt. Diese Bilder verstärken die bedrohliche Stimmung des Gedichts. Die beiden Wanderer sind auf einer Reise durch eine feindliche und unheimliche Landschaft. Sie spüren die "feuchte Nachtluft", die sie "umschleicht", und stapfen "vor der Angst des Lebens her". Die Angst scheint ein ständiger Begleiter zu sein, der ihre Bewegungen bestimmt. Trotz der bedrohlichen Umgebung versuchen sie, ihren "letzten Daseinsmut" zu bewahren, um das "bleiche Graun des Spuks" zu besiegen. Dies zeigt ihren Willen, trotz der überwältigenden Angst und Bedrohung weiterzumachen. Das Gedicht endet mit einem Bild eines Baumes, der sich "bedenklich" wiegt, was die Unsicherheit und das Unbehagen der Situation verstärkt. Der Baum, der sich in die Nacht "düsterte", könnte als Symbol für die ungewisse Zukunft und die unausweichliche Präsenz des Todes interpretiert werden. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Atmosphäre der Bedrohung und des Unbehagens, in der die beiden Wanderer versuchen, ihren Mut und ihre Entschlossenheit zu bewahren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Auf unsern letzten Daseinsmut bedacht, daß er das bleiche Graun des Spuks besiegte.
- Personifikation
- Doch vor uns düsterte ein Baum zur Nacht, der sehr bedenklich seine Wipfel wiegte.