Dritte Ode

Johann Wolfgang von Goethe

1821

Sei gefühllos! Ein leichtbewegtes Herz Ist ein elend Gut Auf der wankenden Erde.

Behrisch, des Frühlings Lächeln Erheitre deine Stirne nie; Nie trübt sie dann mit Verdruß Des Winters stürmischer Ernst.

Lehne dich nie an des Mädchens Sorgenverwiegende Brust, Nie auf des Freundes Elendtragenden Arm.

Schon versammelt Von seiner Klippenwarte Der Neid auf dich Den ganzen, luchsgleichen Blick,

Dehnt die Klauen, Stürzt und schlägt Hinterlistig sie Dir in die Schultern.

Stark sind die magern Arme Wie Pantherarme, Er schüttelt dich Und reißt dich los.

Tod ist Trennung, Dreifacher Tod Trennung ohne Hoffnung Wiederzusehn.

Gerne verließest du Dieses gehaßte Land, Hielte dich nicht Freundschaft Mit Blumenfesseln an mir.

Zerreiß sie! Ich klage nicht. Kein edler Freund Hält den Mitgefangnen, Der fliehn kann, zurück.

Der Gedanke Von des Freundes Freiheit Ist ihm Freiheit Im Kerker.

Du gehst, ich bleibe.

Aber schon drehen Des letzten Jahrs Flügelspeichel Sich um die rauchende Achse.

Ich zähle die Schläge Des donnernden Rads, Segne den letzten, Da springen die Riegel, frei bin ich wie du.

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Illustration zu Dritte Ode

Interpretation

Das Gedicht "Dritte Ode" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von der emotionalen Kälte als Schutzmechanismus gegenüber den Widrigkeiten des Lebens. Der Sprecher rät dazu, gefühllos zu sein, da ein leicht bewegtes Herz ein elendes Gut auf der wankenden Erde sei. Diese Gefühllosigkeit soll als Schutzschild dienen, um nicht von den Wechseln der Jahreszeiten, den Sorgen anderer oder dem Neid und der Missgunst anderer Menschen verletzt zu werden. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Bedeutung von Freundschaft thematisiert. Der Sprecher erkennt, dass er durch die Freundschaft an den Ort gebunden ist, den er eigentlich verlassen möchte. Doch er ermutigt den Freund, die Fesseln der Freundschaft zu zerreißen und seine Freiheit zu suchen. Er selbst bleibt zurück, aber er segnet den Gedanken an die Freiheit des Freundes und hofft auf seine eigene Befreiung. Das Gedicht endet mit einer metaphorischen Beschreibung der Zeit als Radeschlägen, die sich um die Achse drehen. Der Sprecher zählt die Schläge und segnet den letzten, da er dann frei sein wird wie der Freund. Das Gedicht vermittelt eine Botschaft der emotionalen Stärke, der Bedeutung von Freundschaft und der Hoffnung auf Befreiung aus den Fesseln des Lebens.

Schlüsselwörter

nie freundes tod trennung freiheit letzten gefühllos leichtbewegtes

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Stilmittel

Alliteration
Sorgenverwiegende Brust
Anapher
Sei gefühllos! Ein leichtbewegtes Herz Ist ein elend Gut Auf der wankenden Erde.
Hyperbel
Den ganzen, luchsgleichen Blick
Metapher
Donnerndes Rad
Personifikation
Des Frühlings Lächeln
Symbolik
Tod ist Trennung
Vergleich
Wie Pantherarme