Dreizehn Jahre alt

Gerrit Engelke

1890

Wie du im Abendqualm So einfältig an mir vorübergehst, Tauchst du in meinen Gleichmutblick den deinen – Den deinen Der in dem mageren Gesicht wie eine Frage, Wie feuchter grauer Schimmer schwimmt – O unbewußte Mädchenklage – Dein Auge frägt – dein Auge glimmt –

Du hast so sehnsuchtmagere Glieder, Du trägst noch zartgeflochtene falbe Kinderhaare, Du hast so aufgeschossene Glieder, Du bist wohl dreizehn Jahre alt – schon dreizehn Jahre – Du trägst das blaugepunkte kurze Kleid Aus Waschkattun, Du gehst in lächerlichen Kinderschuh′n – Du steckst noch ganz in Kindlichkeit, Doch dein Auge – dein Auge allein….

Doch gehst du wie in trübem Bangen, Doch gehst du so befangen – Ich weiß, es weht der Frühjahrswind – Die Luft ist dunstigblau, blütenlind – Du möchtest gern dich selbst erlösen –

Geh weiter – weiter, kleines blasses Kind –

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Illustration zu Dreizehn Jahre alt

Interpretation

Das Gedicht "Dreizehn Jahre alt" von Gerrit Engelke beschreibt die Begegnung des lyrischen Ichs mit einem dreizehnjährigen Mädchen. Der Sprecher beobachtet das Mädchen aufmerksam und einfühlsam, wobei er ihre Unsicherheit und ihre innere Zerrissenheit zwischen Kindheit und beginnender Jugend wahrnimmt. Das Mädchen trägt noch kindliche Kleidung und Haartracht, doch ihr Blick verrät eine tiefe Sehnsucht und eine Art seelische Not. Das lyrische Ich beschreibt das Mädchen als mager und sehnsuchtsvoll, mit mageren Gliedern und aufgeschossenen Körperteilen. Ihr Blick wird als fragend und glimmend beschrieben, als würde er nach etwas suchen, das er nicht benennen kann. Das Gedicht vermittelt den Eindruck, dass das Mädchen in einer Übergangsphase steckt, zwischen Kindheit und Jugend, zwischen Unschuld und erwachender Sexualität. Das Gedicht endet mit einem Appell an das Mädchen, weiterzugehen, weiterzuziehen, als wäre es ein kleines, blasses Kind. Der Sprecher scheint das Mädchen in seiner Unschuld und Verletzlichkeit zu bewahren, indem er es ermutigt, seinen Weg fortzusetzen. Die Frühlingsstimmung, die im Gedicht beschrieben wird, symbolisiert die beginnende Reife und die aufkeimende Sexualität des Mädchens, die es jedoch noch nicht vollständig erfasst oder versteht.

Schlüsselwörter

auge gehst hast glieder trägst dreizehn jahre weiter

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Dein Auge frägt – dein Auge glimmt
Kontrast
Du steckst noch ganz in Kindlichkeit, / Doch dein Auge – dein Auge allein
Metapher
In dem mageren Gesicht wie eine Frage
Personifikation
Doch dein Auge – dein Auge allein....
Vergleich
Wie feuchter grauer Schimmer schwimmt
Wiederholung
Dein Auge – dein Auge allein