Dreikönigslied
unknownGott so wollen wir loben und ehrn, Die heiligen drei König mit ihrem Stern, Sie reiten daher in aller Eil In dreisig Tagen vierhundert Meil, Sie kamen in Herodis Haus, Herodes sahe zum Fenster raus: Ihr meine liebe Herrn, wo wollt ihr hin? Nach Bethlehem steht unser Sinn. Da ist geboren ohn′ alles Leid Ein Kindlein von einer reinen Maid. Herodes sprach aus großem Trotz: Ey warum ist der hinder so schwarz? O lieber Herr, er ist uns wohl bekannt, Er ist ein König im Mohrenland, Und wöllend ihr uns recht erkennen, Wir dörffend uns gar wohl nennen. Wir seynd die König vom finstern Stern, Und brächten dem Kindlein ein Opfer gern, Myrrhen, Weihrauch und rothes Gold, Wir seynd dem Kindlein ins Herz nein hold. Herodes sprach aus Uebermuth, Bleibend bei mir, und nehmt für gut, Ich will euch geben Heu und Streu, Ich will euch halten Zehrung frey. Die heiligen drei König thäten sich besinnen, Fürwahr, wir wollen jezt von hinnen. Herodes sprach aus trutzigem Sinn, Wollt ihr nicht bleiben, so fahret hin. Sie zogen über den Berg hinaus, Sie funden den Stern ob dem Haus, Sie traten in das Haus hinein, Sie funden Jesum in dem Krippelein. Sie gaben ihm ein reichen Sold, Myrrhen, Weyhrauch und rothes Gold. Joseph bei dem Kripplein saß, Bis daß er schier erfroren was. Joseph nahm ein Pfännelein, Und macht dem Kind ein Müßelein. Joseph, der zog seine Höselein aus, Und macht dem Kindlein zwey Windelein d′raus. Joseph, lieber Joseph mein, Hilf mir wiegen mein Kindelein. Es waren da zwey unvernünftige Thier, Sie fielen nieder auf ihre Knie. Das Oechselein und das Eselein, Die kannten Gott den Herren rein.
Amen.
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Interpretation
Das Gedicht "Dreikönigslied" von Achim von Arnim erzählt die biblische Geschichte der Heiligen Drei Könige, die dem Stern nach Bethlehem folgen, um das neugeborene Jesuskind zu ehren. Die Erzählung beginnt mit der Lobpreisung der Könige und ihrem schnellen Ritt über weite Strecken. In Jerusalem angekommen, treffen sie auf Herodes, der nach ihrem Ziel fragt. Die Könige antworten, dass sie nach Bethlehem wollen, um das Kind einer reinen Jungfrau zu sehen. Herodes, voller Trotz und Übermut, versucht, sie zu überreden, bei ihm zu bleiben, doch die Könige lehnen ab und setzen ihre Reise fort. Die Könige folgen dem Stern bis nach Bethlehem, wo sie das Jesuskind in der Krippe finden. Sie bringen ihm Gaben von Myrrhe, Weihrauch und rotem Gold dar. Die Szene wechselt dann zu Joseph, der sich um das Kind kümmert, indem er ihm ein Bettchen macht und Windeln aus seinen eigenen Hosen herstellt. Die Tiere im Stall, ein Ochs und ein Esel, erkennen die göttliche Natur des Kindes und knien nieder. Das Gedicht endet mit einem "Amen", das die Ehrfurcht und den Glauben an die Heiligkeit der Szene unterstreicht. Arnims Gedicht verbindet die traditionelle Weihnachtsgeschichte mit volkstümlichen Elementen und einer einfachen, erzählenden Sprache. Die Interaktion zwischen den Königen und Herodes sowie die detaillierten Beschreibungen von Josephs Fürsorge für das Kind verleihen der Erzählung eine menschliche und zugängliche Dimension. Das Gedicht betont die universelle Anerkennung der Geburt Jesu, sowohl durch die Weisen als auch durch die Tiere, und vermittelt eine Botschaft des Glaubens und der Demut.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Gott so wollen wir loben und ehrn
- Anapher
- Sie kamen in Herodis Haus, Herodes sahe zum Fenster raus
- Direkte Rede
- Ihr meine liebe Herrn, wo wollt ihr hin?
- Hyperbel
- In dreisig Tagen vierhundert Meil
- Metapher
- Die heiligen drei König mit ihrem Stern
- Personifikation
- Das Oechselein und das Eselein, Die kannten Gott den Herren rein
- Wiederholung
- Myrrhen, Weihrauch und rothes Gold