Doppelter Krieg
1813Wie sollten sich des Schönen Priester hassen, Wie sollten sie unedel sich bekriegen! Ein jeder wird dem andern gern erliegen, Das heißt, sich gern von ihm bewirten lassen!
Doch freilich werden sie das Schwert erfassen, Den Pfuscher, der den Thron der Kunst bestiegen Und ihn schon dadurch schändet, zu besiegen, Weil dem vor Zorn die Götter selbst erblassen.
Was ist es dort? Ein anmutsvolles Ringen, Ob einer leisten solle, ob genießen, Ob füllen oder leeren bloß die Schale.
Hier gilt′s, den Pöbelfürsten zu bezwingen, Den schnöde Wächter in den Tempel ließen, Damit er allen Musen Bärte male.
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Interpretation
Das Gedicht "Doppelter Krieg" von Friedrich Hebbel beschreibt einen Konflikt zwischen zwei unterschiedlichen Arten von Auseinandersetzungen in der Welt der Kunst und Schönheit. Der erste Teil des Gedichts stellt einen idealisierten Wettstreit dar, in dem sich die "Priester des Schönen" in edler Manier bekämpfen. Sie sind bereit, sich gegenseitig zu unterliegen, was eine Art von gegenseitiger Wertschätzung und Respekt impliziert. Diese Auseinandersetzung wird als ein "anmutsvolles Ringen" beschrieben, bei dem es darum geht, ob man leisten oder genießen, füllen oder leeren soll. Es ist ein Kampf auf geistiger Ebene, der von Schönheit und Anmut geprägt ist. Im zweiten Teil des Gedichts wird ein kontrastierendes Bild gezeichnet. Hier geht es um den Kampf gegen den "Pfuscher", der den Thron der Kunst bestiegen hat und ihn durch seine Anwesenheit schändet. Die Götter selbst erblassen vor Zorn über diese Verunreinigung der Kunst. Dieser Kampf ist nicht von Schönheit und Anmut geprägt, sondern von der Notwendigkeit, den "Pöbelfürsten" zu besiegen, der als Wächter in den Tempel der Kunst gelassen wurde. Dieser Fürst wird als jemand dargestellt, der den Musen Bärte malt, was eine Verfälschung und Entweihung der künstlerischen Reinheit bedeutet. Insgesamt vermittelt das Gedicht die Idee, dass es in der Welt der Kunst zwei Arten von Konflikten gibt: einen edlen, ästhetischen Wettstreit und einen notwendigen Kampf gegen die Entweihung der Kunst durch unpassende oder minderwertige Einflüsse. Hebbel betont die Wichtigkeit, die Reinheit und den Wert der Kunst zu bewahren, indem man sich gegen diejenigen stellt, die sie entweihen oder verfälschen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schnöde Wächter in den Tempel ließen
- Bildsprache
- Damit er allen Musen Bärte male
- Kontrast
- Ob füllen oder leeren bloß die Schale
- Metapher
- Den schnöde Wächter in den Tempel ließen
- Personifikation
- Weil dem vor Zorn die Götter selbst erblassen