Doch du, Ungläub′ger

George Gordon Lord Byron

1811

Doch du, Ungläub′ger, sollst dich ringen, Wenn Monkir wird die Sense schwingen; Sollst, wenn du seiner Qual entflohn, Umwandeln Eblis düstern Thron; Glut, ungestillt und nie zu stillen, Soll dir im Herzen endlos quillen, Es kann kein Mund mit Worten malen der innern Hölle Folterqualen. Zuerst, als Vampyr umzugehn, Soll aus der Gruft dein Leib erstehn; Dann schleich als Scheusal in dein Haus, Und saug das Blut den Deinen aus; Um Mitternacht entströmt das Blut, Des Kinds und Weibes Lebensflut. Doch deinem Leichnam graß und fahl, Soll ekel werden dieses Mahl; Dein Opfer selbst, es es verblich Erkenn als seinen Vater dich - Am Stamm welkt deiner Blumen Leben, Dir, so verflucht, den Fluch dir geben. Doch eine soll als Opfer fallen, Die jüngste, liebste dir von allen, Die soll dich segnend Vater nennen -, Dies Wort wird dir im Herzen brennen! Doch würgen mußt du sie und sehn Der Wange letztes Rot verwehn; Den letzten Blick, der glasig stiert, Da leblos drin das Blau gefriert. Dann reiße mit verruchter Rechte Vom Haupt herab die blonde Flechte, Von der ein Löckchen sonst, ein Haar, Ein süßes Pfand der Liebe war. Dir soll es jetzt ein Zeichen sein Der grauenvollsten Todespein! Es triefe dir von Zahn und Mund Das beste Blut aus deinem Bund! Dann tappe nach dem Grabe stumm, Treib mit Dämonen dich herum, Bis diese Schar, vor Schreck erbleicht, Dir dem verfluchtern Unhold weicht.

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Illustration zu Doch du, Ungläub′ger

Interpretation

Das Gedicht "Doch du, Ungläub'ger" von George Gordon Lord Byron beschreibt eine düstere und grausame Strafe für einen Ungläubigen. Es beginnt mit der Vorstellung, dass der Ungläubige, wenn Monkir die Sense schwingt, in der Hölle leiden muss. Die Qualen werden als unerträglich und unbeschreiblich dargestellt, wobei die innere Hölle durch Worte nicht ausgedrückt werden kann. Der Ungläubige wird als Vampir auferstehen und als scheußliches Wesen in sein Haus zurückkehren, um das Blut seiner Angehörigen zu saugen. Die Strafe wird noch grausamer, als der Ungläubige seine eigenen Kinder und Frauen töten muss. Der Anblick des sterbenden Blutes und der letzten Blicke seiner Opfer wird ihn quälen. Besonders schmerzlich ist die Erkenntnis, dass eines seiner Opfer, die jüngste und liebste, ihn als Vater segnet, bevor er sie erwürgt. Dieses Wort wird tief in seinem Herzen brennen und ihm unendliches Leid bereiten. Schließlich wird der Ungläubige gezwungen sein, sich nach seinem Tod im Grab zu verstecken und mit Dämonen umherzutreiben. Die Dämonen werden vor Schreck erbleichen und dem verfluchten Unhold ausweichen. Das Gedicht vermittelt eine eindringliche Botschaft über die Konsequenzen des Unglaubens und die ewige Qual, die den Ungläubigen erwartet.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Doch du, Ungläub′ger sollst dich ringen
Anspielung
Wenn Monkir wird die Sense schwingen
Bildsprache
Dann reiße mit verruchter Rechte Vom Haupt herab die blonde Flechte
Enjambement
Soll dir im Herzen endlos quillen, Es kann kein Mund mit Worten malen
Hyperbel
Es kann kein Mund mit Worten malen der innern Hölle Folterqualen
Kontrast
Doch deinem Leichnam graß und fahl, Soll ekel werden dieses Mahl
Metapher
Und saug das Blut den Deinen aus
Personifikation
Zuerst, als Vampyr umzugehn
Symbolik
Doch eine soll als Opfer fallen
Wiederholung
Doch