Dithyrambe

Friedrich von Schiller

1805

Nimmer, das glaubt mir, erscheinen die Götter Nimmer allein. Kaum dass ich Bacchus, den Lustigen, habe, Kommt auch schon Armor, der lächelnde Knabe, Phöbus, der Herrliche, findet sich ein. Sie nahen, sie kommen, die Himmlischen alle, Mit Göttern erfüllt sich die irdische Halle.

Sagt, wie bewirt′ ich, der Erdgeborne, Himmlischen Chor? Schenket mir euer unsterbliches Leben, Götter! Was kann euch der Sterbliche geben? Hebet zu eurem Olymp mich empor! Die Freude, sie wohnt nur in Jupiters Saale, O füllet mit Nektar, o reicht mir die Schale!

Reich′ ihm die Schale! Schenke dem Dichter, Hebe, nur ein! Netz′ ihm die Augen mit himmlischem Taue, Dass er den Styx, den verhassten, nicht schaue, Einer der Unsern sich dünke zu sein. Sie rauschet, sie perlet, die himmlische Quelle, Der Busen wird ruhig, das Auge wird helle.

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Illustration zu Dithyrambe

Interpretation

Das Gedicht "Dithyrambe" von Friedrich von Schiller ist ein Lobgesang auf die Götter und die Freude, die sie bringen. Es beginnt mit der Ankunft der Götter Bacchus, Amor und Phöbus, die zusammen mit anderen Himmlischen die irdische Halle erfüllen. Der Dichter fragt sich, wie er als sterblicher Mensch den himmlischen Chor bewirten kann und bittet die Götter, ihn zu erheben und mit Nektar zu füllen, um die Freude zu erleben, die nur in Jupiters Saale wohnt. In der zweiten Strophe bittet der Dichter darum, die Augen mit himmlischem Tau zu netzen, damit er den Styx, den Fluss der Unterwelt, nicht sehen muss und sich wie einer der Unsterblichen fühlen kann. Die himmlische Quelle rauscht und perlert, und der Busen und das Auge werden ruhig und hell. Das Gedicht endet mit einem Aufruf, dem Dichter die Schale zu reichen und ihn mit dem Nektar der Götter zu beschenken, um die Freude und den Rausch der Unsterblichkeit zu erfahren.

Schlüsselwörter

nimmer götter himmlischen schale glaubt erscheinen allein kaum

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Stilmittel

Apostrophe
O füllet mit Nektar, o reicht mir die Schale!
Hyperbel
Hebet zu eurem Olymp mich empor!
Imperativ
Reich′ ihm die Schale! Schenke dem Dichter, Hebe, nur ein!
Metapher
Der Busen wird ruhig, das Auge wird helle.
Rhetorische Frage
Sagt, wie bewirt′ ich, der Erdgeborne, Himmlischen Chor?