Dithyrambe
1846Glücklich, wem der Gott der Reben Seine süßen Gaben beut, Hüllend um das ganze Leben Selige Vergessenheit! Alle finstern Geister weichen, Aller Fesseln sind wir los, Herrscher in des Traumes Reichen, Fühlt der Geist sich frei und groß.
Fort, mit deinen bleichen Zügen, Träumende Erinnerung! Deinen Zauber zu betrügen, Fühl′ ich mächtig mich und jung! Heiliger Entzückung Gluten Fach′ ich in der Seele an; Möchte frei das All′ umfluten, Wie der alte Ocean!
Stürmt empor, ihr Jugendgeister! Tanzt um mich in frohen Reih′n! Immer frischer, immer dreister, Stürzt ins Leben euch hinein! Fluch den fremden, starren Mächten, Die der Menschen Sinn betört; Die uns martern, die uns knechten, Die mein ganzes Sein zerstört!
Mächt′ger Gott der süßen Reben, Spende mir Vergessenheit! Schenke mir ein neues Leben, Voll Genuß und Seligkeit! Schlagt die Gläser all′ in Scherben: So vergeh′ die alte Welt! So mag sterben und verderben, Was das Herz in Fesseln hält!
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Interpretation
Das Gedicht "Dithyrambe" von Louise Franziska Aston thematisiert die Sehnsucht nach einem Leben voller Glück, Freiheit und Vergessenheit. Der Sprecher preist den Gott der Reben, der mit seinen Gaben eine Art seliges Vergessen schenkt, das alle Sorgen und Fesseln des Lebens löst. Der Traum wird als ein Reich der Freiheit und Größe beschrieben, in dem der Geist sich befreit fühlt. Die zweite Strophe richtet sich gegen die Erinnerung und ihre trügerische Macht. Der Sprecher fühlt sich durch die "heiligen Entzückungsgluten" wieder jung und mächtig und möchte das ganze Universum wie der alte Ocean umfluten. Die dritte Strophe ruft die Jugendgeister auf, sich im Tanz und in der Freude zu entfalten und ins Leben hineinzustürmen. Der Sprecher verflucht die fremden, starren Mächte, die den Menschen den Sinn betören und quälen. Die letzte Strophe fleht den Gott der Reben erneut an, dem Sprecher Vergessenheit und ein neues Leben voller Genuss und Seligkeit zu schenken. In einem radikalen Schlusswunsch sollen die Gläser zerschlagen werden, damit die alte Welt vergehen und sterben kann, was das Herz in Fesseln hält. Das Gedicht endet mit einem Aufruf zur Zerstörung und Neuschöpfung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Was das Herz in Fesseln hält
- Personifikation
- Alle finstern Geister weichen