Diotima
1799Komm und besänftige mir, die du einst Elemente versöhntest, Wonne der himmlischen Muse, das Chaos der Zeit, Ordne den tobenden Kampf mit Friedenstönen des Himmels, Bis in der sterblichen Brust sich das Entzweite vereint, Bis der Menschen alte Natur, die ruhige, große, Aus der gärenden Zeit mächtig und heiter sich hebt. Kehr in die dürftigen Herzen des Volks, lebendige Schönheit! Kehr an den gastlichen Tisch, kehr in die Tempel zurück! Denn Diotima lebt, wie die zarten Blüten im Winter, Reich an eigenem Geist, sucht sie die Sonne doch auch. Aber die Sonne des Geists, die schönere Welt, ist hinunter Und in frostiger Nacht zanken Orkane sich nur.
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Interpretation
Das Gedicht "Diotima" von Friedrich Hölderlin ist ein Aufruf an die Muse, das Chaos der Zeit zu besänftigen und Ordnung in den tobenden Kampf zu bringen. Hölderlin bittet die Muse, die Elemente einst versöhnt hat, die sterbliche Brust zu vereinen und die alte Natur des Menschen aus der gärenden Zeit mächtig und heiter emporsteigen zu lassen. Die Muse soll in die dürftigen Herzen des Volkes zurückkehren und Schönheit und Gastlichkeit wiederherstellen. Das Gedicht thematisiert den Verlust der geistigen Sonne, die einst die schönere Welt erhellte. Hölderlin beklagt, dass diese Sonne untergegangen ist und nun Orkane in der frostigen Nacht zanken. Dies könnte als Metapher für den Verlust der Aufklärung und des geistigen Fortschritts interpretiert werden. Hölderlin sehnt sich nach einer Rückkehr zu einer harmonischeren und geistig erleuchteten Zeit. Diotima, die im Gedicht als lebendig beschrieben wird, ist eine Anspielung auf die Figur aus Platons Symposion. Sie steht für Weisheit und geistige Erleuchtung. Hölderlin vergleicht sie mit zarten Blüten im Winter, die trotz der Kälte nach der Sonne suchen. Dies symbolisiert die Hoffnung auf eine Wiederkehr der geistigen Sonne und einer besseren Welt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Kehr in die dürftigen Herzen des Volks, lebendige Schönheit! Kehr an den gastlichen Tisch, kehr in die Tempel zurück!
- Kontrast
- wie die zarten Blüten im Winter
- Metapher
- die Sonne des Geists
- Personifikation
- frostiger Nacht zanken Orkane sich nur