Dieselbe in Knittel-Versen

Christian Wernicke

1661

Dein Mann, nach dem wir Gestern greulich Gesoffen, wurde sehr verträulich; Und sagte mir im truncknen Muht Was ihr im Bett′, und wie ihrs thut. Er sagt′, er wolte nicht viel fluchen, Ich möcht′ es selbst mit dir versuchen, Wo ich mich nur zum Tantze schick′, Und bracht′ es mir auf gutes Glück. Nun thuts mein Weib zwar ungebeten; Doch willst du ihre Stell′ antreten, So geb′ ich dir, hier sag′ ichs zu, Ein neues Kleid, ihr ein paar Schuh!

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Illustration zu Dieselbe in Knittel-Versen

Interpretation

Das Gedicht "Dieselbe in Knittel-Versen" von Christian Wernicke ist ein satirisch angehauchtes Werk, das sich mit der Thematik der Untreue und des Ehebruchs auseinandersetzt. Es schildert eine Situation, in der ein Mann seinem Freund gesteht, dass er mit dessen Frau ein Verhältnis hat und diese sogar bereit wäre, die Rolle seiner eigenen Frau zu übernehmen. Die Sprache ist derb und derbe, was den satirischen Charakter des Gedichts unterstreicht. Die Erzählung beginnt mit einer Szene des gemeinsamen Trinkens, bei der der Protagonist seinem Freund gesteht, dass er mit dessen Frau ein Verhältnis hat. Der Freund reagiert darauf gelassen und bietet sogar an, dass die Frau die Rolle seiner eigenen Frau übernehmen könnte, wenn sie dafür ein neues Kleid und ein paar Schuhe bekäme. Diese Situation verdeutlicht die moralische Verkommenheit und den Mangel an ethischen Werten in der Gesellschaft, die das Gedicht kritisiert. Die Verwendung von Knittelversen, einer Form des Reimverses, trägt zur derben und satirischen Stimmung des Gedichts bei. Die Reime sind oft grob und ungeschliffen, was den Leser auf die Thematik des Ehebruchs und der Untreue aufmerksam macht. Die Sprache ist direkt und ungeschönt, was die Kritik an der Gesellschaft und ihren moralischen Werten noch verstärkt.

Schlüsselwörter

mann gestern greulich gesoffen verträulich sagte truncknen muht

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Und sagte mir im truncknen Muht Was ihr im Bett′, und wie ihrs thut
Bildsprache
Und bracht′ es mir auf gutes Glück
Ironie
Er sagt′, er wolte nicht viel fluchen, Ich möcht′ es selbst mit dir versuchen
Kontrast
Nun thuts mein Weib zwar ungebeten; Doch willst du ihre Stell′ antreten
Metapher
Im Bett′
Personifikation
Dein Mann, nach dem wir Gestern greulich Gesoffen, wurde sehr verträulich