Dies ist das Lied, das Villon sang...

Klabund

unknown

Dies ist das Lied, das Villon sang, Als man ihn hängen wollte. Er fühlte um den Hals den Strang, Er sang das Lied den Weg entlang, Der Schinderkarren rollte.

Hängt mich den Schurken zum Alarm Nur hoch in alle Winde! Wegweiser schlenkere mein Arm, Er weist den Weg dem schlimmen Schwarm Und manchem braunen Kinde.

Einst hat der Teufel mich gekirrt, Nun hör ich Bäume singen. Ich fühle Gott. Mein Auge schwirrt. Mein Leib, mein armer Leib, er wird Als Aveglocke schwingen.

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Interpretation

Das Gedicht "Dies ist das Lied, das Villon sang..." von Klabund beschreibt die letzten Momente des Dichters François Villon, der zum Tode verurteilt wurde. Das Gedicht vermittelt die Gefühle und Gedanken Villons, als er auf dem Schinderkarren zum Galgen gefahren wird. Trotz der bedrohlichen Situation zeigt Villon Mut und findet sogar eine Art Trost in seinem bevorstehenden Tod. In den ersten beiden Strophen wird die Szene des Todesurteils geschildert. Villon spürt den Strang um seinen Hals und singt ein Lied, während der Schinderkarren rollt. Er fordert die Henker auf, ihn hoch in die Luft zu hängen, als Warnung für andere. Sein Arm soll als Wegweiser dienen, um den "schlimmen Schwarm" und "braune Kinder" vom falschen Weg abzuhalten. Dies zeigt Villons rebellische und provokante Natur bis zuletzt. Die letzte Strophe offenbart Villons spirituelle Wandlung in seinen letzten Augenblicken. Er erkennt, dass der Teufel ihn einst verführt hat, aber nun hört er die Bäume singen und fühlt die Gegenwart Gottes. Sein Körper wird als "Aveglocke" schwingen, was auf eine Art Auferstehung oder Transformation hindeutet. Villon findet in seinem Tod eine höhere Bedeutung und einen Ausweg aus dem Irdischen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Mischung aus Fatalismus, Trotz und spiritueller Erleuchtung. Villon nimmt sein Schicksal an und findet sogar eine Art Schönheit und Sinn in seinem bevorstehenden Tod. Das Gedicht zeichnet ein eindrucksvolles Porträt eines Dichters, der bis zuletzt an seiner Überzeugung und seiner Kunst festhält.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
[schlenkere mein Schwarm braunen Kinde]
Hyperbel
[Nur hoch in alle Winde]
Metapher
[Er fühlte um den Hals den Strang Wegweiser schlenkere mein Arm Mein Leib, mein armer Leib, er wird Als Aveglocke schwingen]
Personifikation
[Der Schinderkarren rollte Bäume singen]
Symbolik
[Aveglocke schwingen]