Die Zeit
1768Die Zeit zerstört und baut Paläste, Streut bunte Blumen auf die Flur: Verschlingt des Nachruhms Ueberreste, Und lässt dem Enkel keine Spur:
Mit unersättlichem Behagen Nagt sie am Denkmal mancher Gruft; Zwar mildert sie des Unmuths Klagen Durch sie zerfliesst der Gram in Luft.
Oft nährt, oft löschet sie die Flamme, Die Leidenschaft im Busen birg’t; Oft untergräbt sie schlau am Damme Womit Vernunft entgegen wirkt.
Sie kann, was Menschen selten können, Sie setzet Schranken jedem Schmerz, Vereint oft, was die Menschen trennen, Giesst Balsam in das wunde Herz.
Zwar wieget sie die stärksten Triebe In Schlummer ein, nach Sturm und Braus; Doch die Erinnrung Erster Liebe Tilgt selbst die Ewigkeit nicht aus! –
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Interpretation
Das Gedicht "Die Zeit" von Gabriele von Baumberg beschreibt die doppelte Natur der Zeit als Zerstörerin und Schöpferin. Die Zeit wird als eine Kraft dargestellt, die Paläste baut und wieder zerstört, Blumen auf die Flure streut und gleichzeitig die Überreste des Ruhms verschlingt, sodass keine Spur für die Nachkommen bleibt. Diese Dualität wird durch die Bildsprache von Bau und Zerstörung, Leben und Vergessenheit, verdeutlicht. Die Zeit wird als unersättlich und unaufhaltsam beschrieben, die an Denkmälern nagt und den Kummer mildert, indem sie ihn in Luft auflöst. Sie nährt und löscht die Flammen der Leidenschaft im menschlichen Herzen und untergräbt die Dämme der Vernunft. Trotz ihrer Macht, Schmerz zu begrenzen und zu heilen, indem sie Balsam in wunde Herzen gießt, hat die Zeit auch die Fähigkeit, die stärksten Triebe in den Schlaf zu wiegen. Dennoch betont das Gedicht, dass die Erinnerung an die erste Liebe selbst von der Zeit nicht ausgelöscht werden kann. Diese Erinnerung überdauert die Ewigkeit und bleibt ein unvergänglicher Teil des menschlichen Erlebens. Die Zeit mag viele Dinge verändern und vergessen lassen, aber die erste Liebe bleibt ein beständiges und unauslöschliches Gefühl, das die Macht der Zeit übersteigt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Doch die Erinnrung Erster Liebe Tilgt selbst die Ewigkeit nicht aus!
- Personifikation
- Die Zeit zerstört und baut