Die Zeit ist hin
1852Die Zeit ist hin; du löst dich unbewußt Und leise mehr und mehr von meiner Brust; Ich suche dich mit sanftem Druck zu fassen, Doch fühl′ ich wohl, ich muß dich gehen lassen.
So laß mich denn, bevor du weit von mir Ins Leben gehst, noch einmal danken dir; Und magst du nie, was rettungslos vergangen, In schlummerlosen Nächten heimverlangen.
Hier steh′ ich nun und schaue bang zurück; Vorüberrinnt auch dieser Augenblick, Und wieviel Stunden dir und mir gegeben, Wir werden keine mehr zusammenleben.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Zeit ist hin" von Theodor Storm beschreibt den schmerzlichen Prozess des Loslassens und Abschiednehmens. Der Sprecher reflektiert über eine vergangene Beziehung oder eine enge Verbindung, die sich nun allmählich auflöst. Die Zeit, die einst geteilt wurde, ist unwiderruflich vorbei, und der Sprecher muss akzeptieren, dass er die Person oder den Zustand, den er einst festhielt, loslassen muss. Die Metapher des sanften Drucks und des Loslassens verdeutlicht die Schwierigkeit und den emotionalen Schmerz dieses Prozesses. In der zweiten Strophe drückt der Sprecher den Wunsch aus, sich noch einmal zu bedanken, bevor die Person oder der Zustand vollständig aus seinem Leben verschwindet. Es gibt eine implizite Warnung oder einen Wunsch, dass die Vergangenheit, die nun unerreichbar ist, nicht in schlaflosen Nächten vermisst oder bedauert werden soll. Dies deutet auf eine gewisse Resignation und die Erkenntnis hin, dass manche Dinge nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Die letzte Strophe unterstreicht die Endgültigkeit des Abschieds. Der Sprecher steht da und blickt voller Bangigkeit zurück, bewusst, dass auch dieser Moment der Reflexion vergehen wird. Die Erkenntnis, dass keine weiteren gemeinsamen Stunden mehr möglich sind, verstärkt das Gefühl der Endgültigkeit und des Verlustes. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Melancholie und die Akzeptanz des unaufhaltsamen Flusses der Zeit und der damit verbundenen Veränderungen im Leben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- sanftem Druck zu fassen
- Antithese
- Wie viel Stunden dir und mir gegeben
- Enjambement
- Vorüberrinnt auch dieser Augenblick
- Hyperbel
- schlummerlosen Nächten
- Kontrast
- Hier steh′ ich nun und schaue bang zurück
- Metapher
- Die Zeit ist hin
- Personifikation
- Du löst dich unbewußt