Die Zeichen

Adolf Friedrich Graf von Schack

1815

O Mädchen, durch all dein Lachen und Singen Vernehm′ ich ein leises Seufzen oft; Hoch klopft dir das Herz, als wollt′ es zerspringen, Von dem, was es fürchtet und träumt und hofft.

Wie Wolken über die blühenden Matten, Wie über wogende Saaten der Wind, So ziehen rastlos Gedankenschatten Ueber dein lächelndes Antlitz, Kind!

Die Lippen im wachenden Traume bewegst du, Es ist, als pflögst du mit Geistern Gespräch; Dann plötzlich die Augen zu Boden schlägst du, Und hocherrötend eilst du hinweg.

Wohl hab′ ich die Zeichen erkannt; verhehle, Thörichtes Mädchen, es länger nicht! Dir flackert im Hauche der Liebe die Seele, Wie im Odem der Nacht ein Licht.

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Illustration zu Die Zeichen

Interpretation

Das Gedicht "Die Zeichen" von Adolf Friedrich Graf von Schack handelt von den subtilen Anzeichen der Liebe, die sich in den Verhaltensweisen und Emotionen eines jungen Mädchens zeigen. Der Erzähler beobachtet, wie hinter ihrem Lachen und Singen ein leises Seufzen vernehmbar ist, und wie ihr Herz heftig klopft, getrieben von Angst, Träumen und Hoffnung. Diese Zeichen deuten auf die innere Unruhe und Sehnsucht hin, die sie empfindet. Die Metaphern von Wolken über blühenden Matten und Wind über wogenden Saaten veranschaulichen die flüchtigen und unberechenbaren Gedankenschatten, die über das Gesicht des Mädchens ziehen. Diese Bilder unterstreichen die Vergänglichkeit und die ständige Bewegung ihrer Gefühle, die sich in ihrem Lächeln widerspiegeln. Die Beschreibung, wie sie im Schlaf spricht und plötzlich errötend den Blick senkt und eilt davon, verdeutlicht die Intensität ihrer inneren Erlebnisse und die Verlegenheit, die sie in der Gegenwart des Geliebten empfindet. Der Erzähler erkennt schließlich die Zeichen der Liebe und ermahnt das Mädchen, ihre Gefühle nicht länger zu verbergen. Er vergleicht ihre Seele, die in der Liebe flackert, mit einem Licht, das im Odem der Nacht erlischt. Diese Metapher verdeutlicht die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit der Liebe, die ebenso flüchtig und unsicher ist wie ein Licht in der Dunkelheit. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass die Liebe sowohl eine Quelle der Freude als auch der Verletzlichkeit ist.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Die Zeichen

Stilmittel

Alliteration
[Lachen und Singen blühenden Matten wogende Saaten Gedankenschatten lächelndes Antlitz]
Enjambement
[O Mädchen, durch all dein Lachen und Singen Vernehm′ ich ein leises Seufzen oft; Die Lippen im wachenden Traume bewegst du, Es ist, als pflögst du mit Geistern Gespräch;]
Hyperbel
[Als wollt′ es zerspringen Mit Geistern Gespräch]
Metapher
[O Mädchen, durch all dein Lachen und Singen Wie Wolken über die blühenden Matten Wie im Odem der Nacht ein Licht]
Personifikation
[Hoch klopft dir das Herz, als wollt′ es zerspringen Wohl hab′ ich die Zeichen erkannt Dir flackert im Hauche der Liebe die Seele]
Vergleich
[Wie Wolken über die blühenden Matten Wie über wogende Saaten der Wind So ziehen rastlos Gedankenschatten Ueber dein lächelndes Antlitz, Kind!]