Die Zärtlichkeiten

Stefan Zweig

1942

Ich liebe jene ersten bangen Zärtlichkeiten,  Die halb noch Frage sind und halb schon Anvertraun,  Weil hinter ihnen schon die wilden Stunden schreiten,  Die sich wie Pfeiler wuchtend in das Leben baun. Ein Duft sind sie; des Blutes flüchtigste Berührung,  Ein rascher Blick, ein Lächeln, eine leise Hand – Sie knistern schon wie rote Funken der Verführung  Und stürzen Feuergarben in der Nächte Brand. Und sind doch seltsam süß, weil sie im Spiel gegeben  Noch sanft und absichtslos und leise nur verwirrt,  Wie Bäume, die dem Frühlingswind entgegenbeben,  Der sie in seiner harten Faust zerbrechen wird.

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Interpretation

Das Gedicht "Die Zärtlichkeiten" von Stefan Zweig beschäftigt sich mit den ersten zögerlichen und doch schon leidenschaftlichen Berührungen zwischen zwei Menschen. Diese zarten Gesten sind geprägt von einer Mischung aus Fragen und Vertrauen, da sie bereits die wilden und intensiven Stunden der Liebe ankündigen, die wie mächtige Pfeiler das Leben stützen werden. Die Zärtlichkeiten werden als flüchtiger Duft, als schneller Blick, Lächeln oder leichte Berührung beschrieben. Sie knistern bereits wie rote Funken der Verführung und stürzen Feuergarben in die Nacht des Verlangens. Obwohl sie so intensiv und brennend sind, behalten sie doch eine seltsame Süße, da sie noch im Spiel gegeben werden, sanft und absichtslos verwirren. Sie erinnern an Bäume, die vor dem Frühlingswind erzittern, der sie in seiner harten Faust zerschmettern wird. Das Gedicht vermittelt die Ambivalenz dieser ersten Zärtlichkeiten, die sowohl zart als auch leidenschaftlich, unschuldig als auch verführerisch sind. Sie sind ein Vorgeschmack auf die Intensität der kommenden Liebe, aber auch ein Hinweis auf die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit dieser Gefühle. Die Zärtlichkeiten sind ein faszinierendes Spiel aus Nähe und Distanz, aus Fragen und Antworten, das die beiden Liebenden in seinen Bann zieht und sie auf die bevorstehende Leidenschaft vorbereitet.

Schlüsselwörter

halb leise liebe ersten bangen zärtlichkeiten frage anvertraun

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Stilmittel

Metapher
Der sie in seiner harten Faust zerbrechen wird
Personifikation
Weil hinter ihnen schon die wilden Stunden schreiten
Vergleich
Wie Bäume, die dem Frühlingswind entgegenbeben