Die Wut der Frauen

Johann Friedrich Löwen

1771

Bänkelballade über eine wahre Begebenheit, die sich im Januar 1759 in Hamburg ereignete

Ach! hört mit Furcht und Grauen ihr guten Männer an, wozu die Wut der Frauen euch alle reizen kann.

Glaubt nicht, daß ihr auf Erden stets euren Himmel habt, wenn euch bei viel Beschwerden der Kuß der Schönen labt.

Quält in dem Weltgetümmel den Mann des Ehstands Pflicht: so glaubt, der gute Himmel schloß seine Ehe nicht.

So glaubt, er kaufte teuer den kurzen Zeitvertreib; so glaubt, ein Fegefeuer ward ihm sein liebes Weib.

Dann kennt er ohne Zweifel die Hölle ganz genau: denn mehr als sieben Teufel quält eine böse Frau.

In Eheprüfungsstunden hat mancher Hahnrei oft beim Trost, den er empfunden, auf Rache mit gehofft.

Er dacht an seine Brüder und an der Ehe Lauf und setzte manchem wieder zwölfend′ge Hörner auf.

Drum nehmt, geplagte Männer, Geduld und Tröstung wahr: zankt eure Frau im Jenner, zankt ihr im Februar.

Hat sie im März von Ränken das starre Köpfchen voll, greift im April zu Schwänken und macht im Mai sie toll.

So standhaft wechselt immer; merkt diesen treuen Rat: tut nie, was einstens schlimmer ein armer Ehmann tat.

Er, der bei grauen Haaren ein rasches Mädchen nahm und nunmehr schnell erfahren, wie man zu Hörnern kam, -

er glaubte, da zur Rache sein Alter ihn gelähmt, es sei sein schöner Drache durch Schmeicheln leicht gezähmt.

Allein, wie grimmig flogen nicht oft dem armen Tropf, der schrecklich sich betrogen, die Schlüssel nach dem Kopf.

Sie droht, er mußte fliegen und kommen, wenn sie rief, und unterm Stuhle kriechen, saß ihr das Kopfzeug schief.

Zehn scharfe Nägel fuhren ihm öfters durch den Bart und hinterließen Spuren von ihrer Gegenwart.

Einst, schrecklich ist′s zu sagen! wollt er das erstemal zu widersprechen wagen, da seh er seine Qual.

Mir, rief sie, mir zu wehren! und ich, ich schweige still? Dein Wunder sollst du hören, ein Wort ist gnug: ich will"

Schon flammten ihre Blicke; ein Wörtchen sprach er nur, als schnell in die Perücke Glas und Pantoffel fuhr.

Er schwieg und lief verzaget fünf Treppen unters Dach; da hat er viel geklaget - du Muse, klag ihm nach.

Ach! ist ein Mann auf Erden wohl so geplagt als du? Erst muß ich Hahnrei werden, dann Prügel noch dazu?"

Er dachte drauf mit Schmerzen an alle seine Not und fühlte Wut im Herzen und knirscht und rief den Tod.

Der Tod, der ungebeten oft kömmt mit Ungestüm, kroch doch in diesen Nöten nicht unters Dach zu ihm.

Und weil er nicht gekommen, so hat er wehmutsvoll gar den Entschluß genommen, den keiner nehmen soll.

“Der, welcher sich erhenket, schloß er, fühlt kurze Pein. Mein Weib, wenn man′s bedenket, wird stets mein Henker sein.

Was acht ich denn der Qualen von einem Augenblick? da schon zu tausend Malen - komm her, geliebter Strick!”

Es war der letzte Jenner, als sich der Geck erhing und für geplagte Männer die Märterkron empfing.

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Illustration zu Die Wut der Frauen

Interpretation

Das Gedicht "Die Wut der Frauen" von Johann Friedrich Löwen ist eine Bänkelballade, die sich über die angebliche Wut der Frauen lustig macht und gleichzeitig die Leiden der Männer in der Ehe thematisiert. Es erzählt die Geschichte eines Mannes, der von seiner jungen Frau so gequält wird, dass er sich schließlich erhängt. Das Gedicht beginnt mit einer Warnung an die Männer, sich nicht zu sehr auf die Schönheit und den Trost der Frauen zu verlassen, da diese sie auch quälen können. Es wird darauf hingewiesen, dass die Ehe oft mit Beschwerden verbunden ist und dass viele Männer in der Ehe Prüfungen durchstehen müssen. Die Ballade beschreibt dann den Leidensweg des Protagonisten, der eine junge Frau geheiratet hat und nun unter ihrer Wut und ihrem Zorn leidet. Sie wirft ihm mit Schlüsseln nach, zwingt ihn zu kriechen und sticht ihm mit Nägeln in den Bart. Als er es wagt, ihr zu widersprechen, fliegt er auf das Dach, wo er seine Qualen beklagt. Das Gedicht verwendet dabei viele Metaphern und Übertreibungen, um die Wut der Frau und die Ohnmacht des Mannes zu verdeutlichen. Es wird auch darauf hingewiesen, dass der Tod sich nicht blicken lässt, um dem Mann zu helfen, und dass er sich schließlich selbst das Leben nimmt, um seiner Qual zu entkommen. Die Ballade endet mit der Erwähnung des letzten Januars, als sich der Mann erhängt hat und als Märtyrer für geplagte Männer gilt. Das Gedicht ist also eine satirische Darstellung der Ehe und der Geschlechterrollen, die die Wut der Frauen als etwas Schreckliches und die Ohnmacht der Männer als etwas Lächerliches darstellt. Es ist wichtig zu beachten, dass das Gedicht in einer Zeit geschrieben wurde, in der die Rechte der Frauen stark eingeschränkt waren und die Ehe oft als eine Art Gefängnis für Frauen gesehen wurde.

Schlüsselwörter

glaubt männer oft rief grauen wut alle erden

Wortwolke

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Stilmittel

Anspielung
zwölfend'ge Hörner auf
Hyperbel
zwanzig scharfe Nägel fuhren ihm öfters durch den Bart
Ironie
drum nehmt, geplagte Männer, Geduld und Tröstung wahr: zankt eure Frau im Jenner, zankt ihr im Februar
Kontrast
erst muß ich Hahnrei werden, dann Prügel noch dazu
Metapher
Die Hölle ganz genau
Personifikation
Der Tod, der ungebeten oft kömmt mit Ungestüm
Symbolik
geliebter Strick
Übertreibung
mehr als sieben Teufel quält eine böse Frau