Die Worte des Glaubens

Friedrich von Schiller

1797

Drei Worte nenn′ ich euch inhaltschwer, Sie gehen von Munde zu Munde, Doch stammen sie nicht von außen her; Das Herz nur gibt davon Kunde. Dem Menschen ist aller Wert geraubt, Wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt.

Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei, Und würd′ er in Ketten geboren. Lasst euch nicht irren des Pöbels Geschrei, Nicht den Missbrauch rasender Thoren! Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht, Vor dem freien Menschen erzittert nicht!

Und die Tugend, sie ist kein leerer Schall, Der Mensch kann sie üben im Leben, Und sollt′ er auch straucheln überall, Er kann nach der göttlichen streben. Und was kein Verstand der Verständigen sieht, Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüt.

Und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt, Wie auch der menschliche wanke; Hoch über der Zeit und dem Raume webt Lebendig der höchste Gedanke, Und ob alles im ewigen Wechsel kreist, Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist.

Die drei Worte bewahret euch, inhaltsschwer, Sie pflanzet vom Munde zu Munde, Und stammen sie gleich nicht von außen her, Euer Innres gibt davon Kunde. Dem Menschen ist nimmer sein Wert geraubt, Solang er noch an die drei Worte glaubt.

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Illustration zu Die Worte des Glaubens

Interpretation

Das Gedicht "Die Worte des Glaubens" von Friedrich von Schiller handelt von drei zentralen Begriffen, die der Menschheit inneren Wert und Hoffnung verleihen: Freiheit, Tugend und Gott. Diese Worte sind nicht nur äußerliche Konzepte, sondern entspringen tief aus dem Herzen und sind für den Glauben des Menschen unerlässlich. Ohne sie verliert der Mensch seinen Wert und seine Würde. Im ersten Teil betont Schiller die Freiheit des Menschen, die ihm angeboren ist, unabhängig davon, ob er in Ketten geboren wurde. Er warnt vor der Verführung durch das Geschrei des Pöbels und den Irrtümern der Rasenden. Die wahre Freiheit liegt darin, die Ketten zu brechen und sich von äußeren Zwängen zu befreien, wofür der freie Mensch nicht gefürchtet werden sollte. Der zweite Teil des Gedichts widmet sich der Tugend, die nicht nur ein leeres Wort ist, sondern im Leben praktiziert werden kann. Auch wenn der Mensch stolpert und Fehler macht, kann er nach dem Göttlichen streben. Schiller hebt hervor, dass die Tugend auch von einem kindlichen Gemüt in Einfalt ausgeübt werden kann, was zeigt, dass wahre Tugend nicht unbedingt intellektuell sein muss, sondern aus dem Herzen kommt. Im letzten Teil des Gedichts spricht Schiller von Gott und dem heiligen Willen, der über der Zeit und dem Raum existiert. Trotz der ewigen Veränderungen in der Welt bleibt ein ruhiger Geist bestehen, der die Ordnung und den Glauben aufrechterhält. Schiller schließt mit der Aufforderung, diese drei Worte zu bewahren und von Mund zu Mund weiterzugeben, da sie den inneren Wert des Menschen erhalten und ihm Hoffnung und Stärke geben.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Drei Worte nenn ich euch inhaltschwer, Sie gehen von Munde zu Munde
Anapher
Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei, Und würd er in Ketten geboren
Assonanz
Und die Tugend, sie ist kein leerer Schall
Chiasmus
Dem Menschen ist aller Wert geraubt, Wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt
Enjambement
Und ob alles im ewigen Wechsel kreist, Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist
Hyperbel
Dem Menschen ist aller Wert geraubt, Wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt
Metapher
Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht
Personifikation
Und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt
Reimschema
AABB
Wiederholung
Die drei Worte bewahret euch, inhaltsschwer, Sie pflanzet vom Munde zu Munde