Die Wildniß
1859Soll Euch Eure Liebe bleiben, Müßt Ihr in die Wüste fliehn, Dort, wohin nicht Weg noch Bahnen, Fern von Menschen müßt Ihr ziehn.
Eine Höhle wählt zum Hause, In der Oede tiefstem Grund; Wollt Ihr Euern Himmel retten, Bergt Euch in der Felsen Schlund!
Und zum Pförtner nehmt den Tiger, Daß die Nahenden er gleich Würge! Die er nicht zerreißet, Wahrlich, sie zerreißen Euch!
Denn, daß Zwei sich eigen leben, Können nicht die Menschen sehn; Wo sich Liebende beglücken, Möchten sie vor Neid vergehn!
Darum bergt Euch allen Augen, Mit dem Thier der Wildniß lebt, Und mehr als vor seinem Grimme, Vor dem besten Freunde bebt!
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Die Wildniß" von Joseph Christian von Zedlitz thematisiert die gesellschaftlichen Schwierigkeiten und den Neid, denen Liebende ausgesetzt sind, die ihre Liebe in einer feindlichen Umgebung schützen wollen. Es beginnt mit der Aufforderung, in die Wüste zu fliehen, um die Liebe zu bewahren, fernab von den Pfaden und Bahnen der Zivilisation. Die Liebenden werden aufgefordert, eine Höhle als ihr Zuhause zu wählen und sich in der tiefsten Einsamkeit zu verbergen, um ihren Himmel zu retten. Sie sollen sich in den Schlund der Felsen zurückziehen, um sich vor neugierigen Blicken zu schützen. Die zweite Strophe führt den Tiger als Wächter ein, der alle potenziellen Eindringlinge angreifen soll. Der Tiger symbolisiert die Wildheit und Unbarmherzigkeit, die nötig sind, um die Liebenden vor neidischen Blicken zu schützen. Der Dichter betont, dass selbst der Tiger nicht so gefährlich ist wie die Menschen selbst, die aus Neid die Liebe der Liebenden zerstören könnten. Die Liebenden müssen sich also nicht nur vor dem Tiger, sondern vor allem vor den Menschen in Acht nehmen, die ihre Freude am Glück anderer nicht ertragen können. Im letzten Teil des Gedichts wird die zentrale Botschaft deutlich: Die Gesellschaft kann die Freiheit und das Glück von Liebenden nicht akzeptieren und neidet sie so sehr, dass sie sie zerstören möchte. Daher müssen sich die Liebenden vor allen Augen verbergen und in der Wildnis leben, um ihre Liebe zu schützen. Das Gedicht verdeutlicht die Isolation und den Schutzbedarf, den Liebende in einer Gesellschaft erfahren, die ihre Freiheit und ihr Glück nicht verstehen oder akzeptieren kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Müßt Ihr in die Wüste fliehn
- Bildlichkeit
- Eine Höhle wählt zum Hause, In der Oede tiefstem Grund
- Hyperbel
- Und mehr als vor seinem Grimme, Vor dem besten Freunde bebt!
- Metapher
- Bergt Euch in der Felsen Schlund
- Personifikation
- Darum bergt Euch allen Augen
- Symbolik
- Tiger als Pförtner