Die Wiese der Lust
1897Über die weite Wiese der Lust Wandelt zaghaft mein bester Freund. Was ich Gutes von Ihm gewußt, Vergaß ich, als ich ihn da sah.
Über der weiten Wiese der Lust Schwebt ein häßliches Ungethüm. Was ich greifbar an dem erkannt, Verschwamm mir, als ich ihn da sah.
Auf jene weite Wiese der Lust Lauf′ ich plötzlich dem Freunde nach. Was Er Gutes von Mir gewußt, Vergaß Er, als Er Mich da sah.
Auf jener weiten Wiese der Lust Läuft ein Freund mit dem Andern fort. Wer die Freundschaft in uns erkannt, Bestritt, daß er den Kern da sah.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Wiese der Lust" von Paul Scheerbart handelt von der Vergänglichkeit und der Fragilität menschlicher Beziehungen und Gefühle. Die "Wiese der Lust" dient als Metapher für eine Welt voller Verlockungen und Ablenkungen, in der die wahren Werte und Erkenntnisse verloren gehen. Der erste Abschnitt beschreibt, wie der "beste Freund" zögernd über diese Wiese wandelt. Der Erzähler hat vergessen, was er als gut an ihm erkannt hat, als er ihn in diesem Kontext sieht. Dies deutet darauf hin, dass die Umgebung oder die Situation die Wahrnehmung und das Urteilsvermögen beeinflusst. Im zweiten Abschnitt wird ein "häßliches Ungethüm" über der Wiese erwähnt, was eine bedrohliche oder negative Kraft symbolisieren könnte. Die Erkenntnisse, die der Erzähler über jemanden hatte, verschwimmen, wenn er ihn in dieser Umgebung betrachtet. Dies verstärkt das Thema der Vergänglichkeit und der Veränderlichkeit der Wahrnehmung. Der dritte Abschnitt zeigt, wie der Erzähler dem Freund nachläuft, aber auch hier vergisst der Freund, was er als gut am Erzähler erkannt hat. Dies verdeutlicht, dass die "Wiese der Lust" beide Parteien beeinflusst und die ursprünglichen positiven Eigenschaften verblassen lässt. Im letzten Abschnitt flieht ein Freund mit einem anderen, und wer die Freundschaft in ihnen erkannt hat, bestreitet, dass er den Kern der Beziehung gesehen hat. Dies unterstreicht die Idee, dass in dieser Umgebung wahre Freundschaft und tiefe Verbindungen verloren gehen oder in Frage gestellt werden. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine melancholische Botschaft über die Vergänglichkeit menschlicher Beziehungen und die Schwierigkeit, in einer Welt voller Ablenkungen und Verlockungen wahre Werte zu erkennen und zu bewahren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Über die weite Wiese der Lust, Über der weiten Wiese der Lust, Auf jene weite Wiese der Lust, Auf jener weiten Wiese der Lust
- Enjambement
- Über die weite Wiese der Lust Wandelt zaghaft mein bester Freund
- Kontrast
- Was ich Gutes von Ihm gewußt, Vergaß ich, als ich ihn da sah
- Metapher
- Wiese der Lust
- Parallelismus
- Was ich Gutes von Ihm gewußt, Vergaß ich, als ich ihn da sah
- Personifikation
- Was ich greifbar an dem erkannt
- Wiederholung
- Wiese der Lust