Die Wetterfahne

Wilhelm Müller

1827

Der Wind spielt mit der Wetterfahne Auf meines schönen Liebchens Haus. Da dacht ich schon in meinem Wahne, Sie pfiff den armen Flüchtling aus.

Er hätt′ es eher bemerken sollen, Des Hauses aufgestecktes Schild, So hätt′ er nimmer suchen wollen Im Haus ein treues Frauenbild.

Der Wind spielt drinnen mit den Herzen Wie auf dem Dach, nur nicht so laut. Was fragen sie nach meinen Schmerzen? Ihr Kind ist eine reiche Braut.

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Illustration zu Die Wetterfahne

Interpretation

Das Gedicht "Die Wetterfahne" von Wilhelm Müller handelt von der Enttäuschung eines Liebhabers, der erkennt, dass seine Angebetete ihn wegen seines niedrigen sozialen Status verlassen hat. Die Wetterfahne auf dem Dach des Hauses seiner Liebsten symbolisiert die Unbeständigkeit und Wechselhaftigkeit ihrer Gefühle. Der Wind, der mit der Wetterfahne spielt, steht für die äußeren Einflüsse und Umstände, die das Verhalten der Frau bestimmen. Der Sprecher des Gedichts bedauert, dass er nicht früher das Schild am Haus bemerkt hat, das den Reichtum und Status der Familie seiner Liebsten anzeigt. Hätte er dies getan, hätte er sich vielleicht nicht so sehr in sie verliebt und wäre nicht so tief enttäuscht worden. Die Frau, die er für treu und aufrichtig hielt, hat sich als materialistisch und berechnend erwiesen, indem sie einen reichen Ehemann einem armen Liebhaber vorzieht. Im letzten Vers des Gedichts wird deutlich, dass die Frau nicht nur den Sprecher, sondern auch ihre eigenen Gefühle im Stich gelassen hat. Der Wind spielt mit den Herzen der Menschen im Haus genauso wie mit der Wetterfahne auf dem Dach, nur leiser und subtiler. Die Frage des Sprechers "Was fragen sie nach meinen Schmerzen?" drückt seine Verzweiflung und Einsamkeit aus. Die letzte Zeile "Ihr Kind ist eine reiche Braut" unterstreicht die Kälte und Gleichgültigkeit der Frau gegenüber den Gefühlen des Sprechers.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Ironie
So hätt′ er nimmer suchen wollen Im Haus ein treues Frauenbild
Metapher
Sie pfiff den armen Flüchtling aus
Personifikation
Der Wind spielt mit der Wetterfahne
Rhetorische Frage
Was fragen sie nach meinen Schmerzen?
Symbolik
Des Hauses aufgestecktes Schild
Vergleich
Der Wind spielt drinnen mit den Herzen Wie auf dem Dach, nur nicht so laut