Die Weste
1871Es lebt in Süditalien eine Weste an einer Kirche dämmrigem Altar. Versteht mich recht: Noch dient sie Gott aufs beste. Doch wie in Adam schon Herr Haeckel war, (zum Beispiel bloß), so steckt in diesem Reste Brokat voll Silberblümlein wunderbar schon heut der krause Übergang verborgen vom Geist von gestern auf den Wanst von morgen.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Weste" von Christian Morgenstern erzählt von einer Weste, die in Süditalien an einem Kirchenaltar hängt und noch immer Gott dient. Die Weste symbolisiert den Übergang von der geistigen zur materiellen Welt. Morgenstern deutet an, dass in der Weste bereits der "krause Übergang" vom "Geist von gestern auf den Wanst von morgen" verborgen liegt. Dies bezieht sich auf die Entwicklung des Menschen vom geistigen Wesen zum materialistischen Wesen, das sich auf materielle Dinge wie Essen und Trinken konzentriert. Die Weste, die einst geistige Bedeutung hatte, wird nun als materieller Gegenstand betrachtet. Morgenstern verwendet den Verweis auf Haeckel, einen materialistischen Philosophen, um den Wandel von geistiger zu materialistischer Weltsicht zu verdeutlichen. Die Weste, die einst Gott diente, ist nun ein Symbol für den Wandel der menschlichen Gesellschaft hin zu einer materialistischeren Sichtweise. Das Gedicht zeigt auf, wie sich die Werte und Überzeugungen der Gesellschaft im Laufe der Zeit verändern können. Es verdeutlicht, dass selbst Objekte, die einst eine tiefe spirituelle Bedeutung hatten, im Laufe der Zeit zu bloßen materiellen Gütern werden können. Morgenstern nutzt die Weste als Metapher für diesen Wandel und regt den Leser dazu an, über die Vergänglichkeit von Werten und Überzeugungen nachzudenken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anspielung
- Doch wie in Adam schon Herr Haeckel war
- Kontrast
- vom Geist von gestern auf den Wanst von morgen
- Metapher
- doch steckt in diesem Reste Brokat voll Silberblümlein wunderbar schon heut der krause Übergang verborgen
- Personifikation
- Es lebt in Süditalien eine Weste