Die Welt

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

1575

Was ist die Welt, und ihr berühmtes gläntzen? Was ist die Welt und ihre gantze Pracht? Ein schnöder Schein in kurtzgefasten Grentzen, Ein schneller Blitz, bey schwarzgewölckter Nacht; Ein bundtes Feld, da Kummerdisteln grünen; Ein schön Spital, so voller Kranckheit steckt. Ein Sclavenhauß, da alle Menschen dienen, Ein faules Grab, so Alabaster deckt.

Das ist der Grund, darauff wir Menschen bauen, Und was das Fleisch für einen Abgott hält. Komm Seele, komm, und lerne weiter schauen, Als sich erstreckt der Zirckel dieser Welt. Streich ab von dir derselben kurtzes Prangen, Halt ihre Lust für eine schwere Last. So wirst du leicht in diesen Port gelangen, Da Ewigkeit und Schönheit sich umbfast.

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Illustration zu Die Welt

Interpretation

Das Gedicht "Die Welt" von Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau thematisiert die Vergänglichkeit und den Schein der Welt. Der Dichter beschreibt die Welt als einen "schnöden Schein" und einen "schnellen Blitz", der nur kurz aufleuchtet, bevor er wieder verschwindet. Er vergleicht die Welt mit einem "bundten Feld", auf dem Kummerdisteln wachsen, und einem "schön Spital", das voller Krankheit steckt. Die Welt wird als ein Ort dargestellt, an dem alle Menschen dienen und in dem das Fleisch einen Abgott hält. Der Dichter fordert die Seele auf, über die Grenzen dieser Welt hinauszuschauen und ihre kurze Pracht abzustreifen. Er rät dazu, die Lust der Welt als eine schwere Last zu betrachten und sich von ihr zu lösen. Nur so kann man leicht in den Hafen gelangen, wo Ewigkeit und Schönheit sich umfassen. Das Gedicht vermittelt eine klare Botschaft: Die Welt ist vergänglich und vergänglich, und wahre Schönheit und Ewigkeit finden sich nur jenseits ihrer Grenzen.

Schlüsselwörter

welt menschen komm berühmtes gläntzen gantze pracht schnöder

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Stilmittel

Metapher
Da Ewigkeit und Schönheit sich umbfast
Vergleich
Ein schneller Blitz, bey schwarzgewölckter Nacht