Die Waage

Friedrich Gottlieb Klopstock

1803

“Du zählst die Stimmen: wäge sie, willst du nicht Des Ruhms dich töricht freuen, der dir erschallt.” Sehr mühsam ist die Wägung! “Nun so Zähle zugleich denn die Widerhalle.”

Der Blick ermüdet, der auf die Waage schaut. Wie säumts! wie viel der lastenden Zeit entschleicht, Bevor im Gleichgewicht die Schalen Schweben, und endlich der Weiser ausruht!

Und tönt der Nachhall etwa Unliebliches, Wenn er in ferner Grotte Musik beginnt, Und seine Melodie sich immer Sanfter dem Ohre verlieret? “Zähle!”

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Illustration zu Die Waage

Interpretation

Das Gedicht "Die Waage" von Friedrich Gottlieb Klopstock thematisiert die Schwierigkeit, Ruhm und Anerkennung zu bewerten. Der Sprecher rät dazu, die Stimmen, die den eigenen Ruhm verkünden, nicht einfach zu zählen, sondern zu wägen. Dies impliziert, dass die Qualität und Bedeutung der Anerkennung wichtiger sind als die bloße Quantität. Die Wägung wird als mühsam beschrieben, was die Komplexität und den Aufwand verdeutlicht, den es erfordert, den wahren Wert des eigenen Ruhms zu ermitteln. Die zweite Strophe vertieft die Metapher der Waage und beschreibt die Herausforderungen, die mit dem Abwägen von Ruhm verbunden sind. Der Blick des Betrachters ermüdet, und die Zeit vergeht, bevor ein Gleichgewicht erreicht wird. Dies kann als Hinweis darauf verstanden werden, dass die Bewertung von Ruhm ein langwieriger und anstrengender Prozess ist, der Geduld und Ausdauer erfordert. Die Metapher der Waage wird hier als Symbol für die Unbeständigkeit und Vergänglichkeit des Ruhms verwendet. Die letzte Strophe führt einen Kontrast ein, indem sie die Frage aufwirft, ob ein Nachhall, der in einer fernen Grotte beginnt, weniger wertvoll ist, nur weil er sich allmählich verliert. Dies könnte als Aufforderung interpretiert werden, auch die leisen und fernen Stimmen der Anerkennung zu berücksichtigen und nicht nur die lauten und unmittelbaren. Das Gedicht schließt mit dem Imperativ "Zähle!", was darauf hindeutet, dass trotz der Schwierigkeiten und der Vergänglichkeit des Ruhms eine sorgfältige und umfassende Bewertung notwendig ist.

Schlüsselwörter

zähle zählst stimmen wäge willst ruhms töricht freuen

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Zähle zugleich denn die Widerhalle.
Bildsprache
Wie säumts! wie viel der lastenden Zeit entschleicht
Kontrast
Bevor im Gleichgewicht die Schalen Schweben, und endlich der Weiser ausruht!
Metapher
Des Ruhms dich töricht freuen
Personifikation
Der Blick ermüdet, der auf die Waage schaut.