Die Verhältnisse

Friedrich Schlegel

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Rücksichten sind′s, die unsern Blick berücken; In Absicht jede Aussicht gleich erkalten, Bis wir, eh′ wir uns umgesehn, veralten, Und beugen dann, von Einsicht schwer, den Rücken. Roh scheint′s, der Erde Blumen grade pflücken. Wir möchten fein der Schonung Linie halten, Der Liebe Leben künstlich klug verwalten, Verständig und mit Anstand uns erdrücken. Wir sollen unbekannte Größen wählen, Es sind zu wenig Gleichungen gegeben, Drum hatt′ und hat′s ein sonderbar Bewendnis; Denn, weil wir endlos rechnen, zweifeln, zählen, Wird uns das klare, leichte, freie Leben Ein einzig vielverschlungen Mißverständnis.

Tapfer verhalte dich stets; so ist dein das beste Verhältnis, Kannst du gelassen es sehn, wie sich verwickelt das Volk.

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Interpretation

Das Gedicht "Die Verhältnisse" von Friedrich Schlegel handelt von den Zwängen und Komplikationen, die das menschliche Leben bestimmen. Die erste Strophe beschreibt, wie Rücksichten und Vorsicht den Blick trüben und die Lebensfreude mindern. Die Menschen werden älter, ohne die Welt wirklich gesehen zu haben, und neigen dazu, sich vor der Wirklichkeit zu verschließen. Die zweite Strophe thematisiert die Angst vor dem direkten und ungefilterten Leben. Die Menschen möchten behutsam und klug vorgehen, um sich vor Verletzungen zu schützen, und opfern dabei ihre Freiheit und Spontaneität. Die dritte Strophe deutet an, dass das Leben voller unbekannter Größen und ungelöster Gleichungen ist. Es gibt keine klaren Antworten oder Lösungen, und das Leben bleibt ein rätselhaftes und verwirrendes Phänomen. Die Menschen versuchen, das Leben zu berechnen und zu kontrollieren, doch dadurch verlieren sie den Blick für das Wesentliche und das Unmittelbare. Die letzte Strophe gibt einen Rat, wie man mit den Verhältnissen umgehen kann: Man soll tapfer und gelassen bleiben und die Verwicklungen des Lebens mit einem gewissen Abstand betrachten. So kann man ein gutes Verhältnis zu sich selbst und zur Welt aufbauen.

Schlüsselwörter

leben rücksichten unsern blick berücken absicht jede aussicht

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Stilmittel

Metapher
Wie sich verwickelt das Volk
Personifikation
In Absicht jede Aussicht gleich erkalten