Die unbekannten Freunde

Betty Paoli

1895

Der Dichter wandelt einsam durch das Leben! So ist es und so war′s zu allen Zeiten. Entsagung nur darf ihm zur Seite schreiten, Wenn holde Bande sich um And′re weben!

Doch ein Ersatz ist ihm dafür gegeben: Daß Herzen ihm, in unbekannten Weiten, Entgegen schlagen und wie Harfensaiten Vom Hauche seiner Lieder sanft erbeben.

Und wurden solche Freunde dir zu Theil, Betrachte sie als höchste Schicksalsspenden, Die für kein flücht′ges Gut der Erde feil!

Zweifach gesegnet ist, der sie gewann! Denn in dem stillen Gruß, den sie ihm senden, Fängt auch bereits die Nachwelt für ihn an!

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Interpretation

Das Gedicht "Die unbekannten Freunde" von Betty Paoli handelt von der Einsamkeit des Dichters und dem Trost, den er in Form von unbekannten Freunden findet. Die erste Strophe beschreibt die Einsamkeit des Dichters, der durch das Leben wandelt, während andere von liebevollen Banden umgeben sind. Die zweite Strophe bietet einen Trost: Obwohl der Dichter einsam ist, gibt es Herzen in der Ferne, die auf seine Worte reagieren und von ihnen berührt werden. Die dritte Strophe ermutigt den Dichter, diese unbekannten Freunde als höchste Schicksalsgabe zu betrachten, die nicht für flüchtige Güter der Erde verkäuflich sind. Die vierte Strophe besagt, dass der Dichter doppelt gesegnet ist, wenn er solche Freunde gefunden hat, da er in ihrem stillen Gruß bereits einen Vorgeschmack auf die Anerkennung der Nachwelt erhält. Insgesamt geht es in dem Gedicht um die Einsamkeit des Dichters, aber auch um die Kraft seiner Worte, die Herzen berühren und eine Verbindung zu unbekannten Freunden herstellen können. Diese Freunde sind ein unschätzbares Geschenk, das den Dichter tröstet und ihm eine Ahnung von der Anerkennung gibt, die er auch von zukünftigen Generationen erfahren wird.

Schlüsselwörter

dichter wandelt einsam leben allen zeiten entsagung darf

Wortwolke

Wortwolke zu Die unbekannten Freunde

Stilmittel

Alliteration
flücht′ges Gut der Erde feil
Antithese
Der Dichter wandelt einsam durch das Leben! So ist es und so war′s zu allen Zeiten
Bildsprache
In dem stillen Gruß, den sie ihm senden
Hyperbel
Betrachte sie als höchste Schicksalsspenden
Metapher
flücht′ges Gut der Erde
Personifikation
Entsagung nur darf ihm zur Seite schreiten
Symbolik
Harfensaiten
Vergleich
wie Harfensaiten