Die Trommel
1890Der einst dem Feind die Hosen klopfte Der hieß wohl Gustav der Verstopfte. Die Soldaten, Ja, die taten für den Fürsten alles ganz umsonst. Und sie trugen bunte Fahnen und Gewehre, Aber vorneweg marschiert vorm ganzen Heere Eine Trommel, eine Trommel, eine Trommel, Radibimmel, radibammel, radibommel, Vom Leibregiment, Vom Leibregiment, Das sich nach König Gustav nennt.
Der brave Landsknecht braucht nichts tragen, denn dazu hat er seinen Wagen: Hinterm Rosse, Im Trosse Marschiert die Marketenderin.
Und sie kennt vom Regiment die ganze Mannschaft, Denn sie hat ja schon mit jedem ’ne Bekanntschaft Auf der Trommel, auf der Trommel, auf der Trommel, Radibimmel, radibammel, radibommel, Vom Leibregiment, Vom Leibregiment, Das sich nach König Gustav nennt.
Der Hauptmann, einer von den Fetten, Liegt gern bis Mittag in den Betten. Doch alleine, Denn voll Weine, Da verleiht er ungern seine Gunst.
Und er hält im Dienst die glasigen Augen offen, Aber innerlich ist er total besoffen. Und er trägt ’nen dicken Bauch wie eine Trommel, Radibimmel, radibammel, radibommel, Vom Leibregiment, Vom Leibregiment, Das sich nach König Gustav nennt.
Und hat der ganze Spuk ein Ende, Geht’s in des Himmels Scheibenstände. Die Soldaten Müssen braten In dem allertiefsten Höllenpfuhl!
Der Teufel ist kein böser Mann, so glaubt man, Denn er schmort sie samt dem Mädchen und dem Hauptmann In der Trommel, in der Trommel, in der Trommel, Radibimmel, radibammel, radibommel, Vom Leibregiment, Vom Leibregiment, Das sich nach König Gustav nennt.
Es sterben auch mal Generale. Die Trommel liegt im Arsenale. Im Gehäuse Die Mäuse, Die führn das alte Leben fort.
Denn sie fressen und sie lieben und sie saufen, Machen Junge, und sie streiten und sie raufen In der Trommel, in der Trommel, in der Trommel, Radibimmel, radibammel, radibommel, Wie das Leibregiment, Wie das Leibregiment, Das sich nach König Gustav nennt.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Trommel" von Kurt Tucholsky ist eine satirische Kritik an der preußischen Militärkultur und deren Hierarchien. Tucholsky verwendet die Metapher der Trommel, um die repetitive und sinnlose Natur des Militärlebens zu verdeutlichen. Die Trommel, die im Gedicht ständig wiederholt wird, symbolisiert den monotonen Drill und die Gleichförmigkeit, die das Leben der Soldaten prägen. Das Gedicht beschreibt verschiedene Figuren innerhalb des Militärs, wie den "braven Landsknecht", die Marketenderin, den Hauptmann und die Generale, um die unterschiedlichen Aspekte des Militärlebens zu beleuchten. Tucholsky kritisiert die Ausbeutung der Soldaten, die "alles ganz umsonst" für den Fürsten tun, sowie die ausschweifenden Lebensstile der Offiziere. Die Marketenderin steht exemplarisch für die sexuellen Verhältnisse im Militär, während der Hauptmann mit seinem "dicken Bauch" die Trägheit und Selbstgefälligkeit der Führungsschicht verkörpert. In der letzten Strophe des Gedichts wird das Schicksal der Militärangehörigen nach ihrem Tod thematisiert. Tucholsky deutet an, dass selbst im Jenseits die gleichen Strukturen und Verhaltensweisen fortbestehen, was seine Kritik an der Unveränderlichkeit und der Persistenz der Militärkultur unterstreicht. Die Mäuse, die in der Trommel ein neues Leben beginnen, symbolisieren die ewige Wiederholung der gleichen Muster und Verhaltensweisen, unabhängig von der Zeit oder dem Ort. Insgesamt ist "Die Trommel" eine scharfe satirische Abrechnung mit dem Militarismus und seinen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Tucholsky nutzt Humor und Ironie, um die Absurdität und die oft menschenverachtenden Aspekte des Militärlebens aufzuzeigen. Das Gedicht fordert den Leser auf, die Sinnlosigkeit und die zerstörerischen Folgen des Militarismus zu erkennen und infrage zu stellen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Radibimmel, radibammel, radibommel
- Anapher
- Vom Leibregiment, Vom Leibregiment
- Anspielung
- Geht's in des Himmels Scheibenstände
- Metapher
- Und er trägt 'nen dicken Bauch wie eine Trommel
- Personifikation
- Die Mäuse, Die führn das alte Leben fort
- Wiederholung
- In der Trommel, in der Trommel, in der Trommel
- Übertreibung
- In dem allertiefsten Höllenpfuhl