Die Treppe der Orangerie
1906Versailles
Wie Könige die schließlich nur noch schreiten fast ohne Ziel, nur um von Zeit zu Zeit sich den Verneigenden auf beiden Seiten zu zeigen in des Mantels Einsamkeit -:
so steigt, allein zwischen den Balustraden, die sich verneigen schon seit Anbeginn, die Treppe: langsam und von Gottes Gnaden und auf den Himmel zu und nirgends hin;
als ob sie allen Folgenden befahl zurückzubleiben, - so daß sie nicht wagen von ferne nachzugehen; nicht einmal die schwere Schleppe durfte einer tragen.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Treppe der Orangerie" von Rainer Maria Rilke vergleicht die Treppe in Versailles mit einem König, der allein und ohne Ziel schreitet. Die Treppe, umgeben von sich verneigenden Balustraden, steigt langsam und majestätisch in den Himmel, ohne ein bestimmtes Ziel zu haben. Sie scheint denjenigen, die ihr folgen wollen, zu befehlen, zurückzubleiben, und selbst die schwere Schleppe darf niemand tragen. Die Treppe wird als einsam und von Gottes Gnaden beschrieben, was ihre erhabene und unantastbare Natur unterstreicht. Sie ist ein Symbol für die Macht und den Einfluss des Königs, der ebenfalls allein und von seinen Untertanen umgeben ist. Die Treppe und der König sind beide von einer Aura der Unnahbarkeit und Majestät umgeben, die andere davon abhält, ihnen zu nahe zu kommen. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre der Einsamkeit und der Machtlosigkeit, die mit großer Macht einhergehen kann. Die Treppe und der König sind beide isoliert und haben niemanden, der ihnen nahe kommt oder ihnen hilft. Sie sind Symbole für die Einsamkeit und die Verantwortung, die mit großer Macht einhergehen können.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- die schwere Schleppe durfte einer tragen
- Metapher
- in des Mantels Einsamkeit
- Personifikation
- die sich verneigen schon seit Anbeginn
- Symbolik
- auf den Himmel zu und nirgends hin
- Vergleich
- Wie Könige die schließlich nur noch schreiten